Theaterpädagogen und Theaterlehrer – Arbeitsfelder/ Schnittmengen/ Honorare

Die Arbeits-Felder der Theaterpädagogen stellen sich mir als sehr heterogen dar.

In der Landschaft gibts die urbanen Zentren mit ihren theatralen Leuchtturmproduktionen an Stadt-, Staats- und Landestheatern. Hier arbeiten angestellte Theaterpädagogen (zumeist mit Zeitverträgen) primär als Kunstvermittler mit unterschiedlichen Auftragsschwerpunkten. Natürlich nutzen die Theater die Kompetenzen von Theaterpädagogen als Marketinginstrument zur Besucherwerbung und langfristigen Besucher-Nachwuchs-Förderung bei Kindern.

Theaterpädagogik als Theaterkunstvermittlung mit wirtschaftlichem Interesse.

Zielgebiet: Bildungsbürger und Schulen.

Direkt daneben und in der Fläche – im harten Kontrast – bemühen sich Theaterpädagogen in meist sozialen Brennpunkten und auch in ländlichen Gebieten darum, ein Bildungsangebot in unterschiedlichen Kontexten zu machen, in Jugendzentren, Arbeitslosenunterstützungsmaßnahmen, Gewaltpräventionsprojekten und vielen verschiedenen Initiativen. Herausragende Beispiele für die Arbeit in sozialen Brennpunkten zeigen Maike Plath > http://www.maikeplath.de und ACT e.V. > https://act-berlin.de/umsetzung/theatrales-mischpult/

Theaterpädagogik als Sozialarbeit.

Zielgebiet: gesellschaftliche Brennpunkte.

Zwischen diesen beiden Extrempunkten spielt sich das Leben von Theaterpädagogen ab.

Ganz anders das Leben eines Theaterlehrers. Er ist primär dem Bildungssystem Schule verpflichtet und der Umsetzung und Einhaltung von Bildungsplänen, Lehrplänen, Benotungsregeln, Lernzielen. Er hat theatrale Lernprozesse zu initiieren und Kompetenzerwerb bei seinen Schülern anzuregen, und zwar in allen Bereichen des Lernfeldes Theater. Er hat mit dem Unterrichtsfach Theater Einfluss auf den allgemeinen Bildungsgang seiner Schutzbefohlenen. Er verteilt – wenn auch nur in kleinem Maße im Rahmen eines Wahlpflicht- oder Nebenfachs – Berufs- und Lebenschancen.

Theaterunterricht ist schulische Bildungsarbeit.

Zielgebiet: Schulen.

Grundsätzlich scheinen nach dieser ersten Bestandsaufnahme die Arbeitsfelder von Theaterpädagogen und Theaterlehrern nicht so weit auseinander zu liegen.

Es geht irgendwie im Kern darum Menschen – zumeist jüngere – und die kulturelle Ausdrucksform Theater zusammen zu bringen. Sei es primär als Rezeption professioneller Theaterformen, als Ausdrucksform biografischer Befindlichkeiten und Wahrnehmung gesellschaftlicher Prozesse oder als methodisches Instrument zur Einflussnahme, Intervention und Gestaltung destruktiver oder unsozialer Lebensverhältnisse.

Es gibt viele Schnittmengen und Berührungspunkte.

Beide Arbeitsfelder – die von Theaterpädagogen und Theaterlehrern – sind in Bewegung.

Der erst seit wenigen Jahren ins Leben getretene Beruf des Theaterlehrers an allgemeinbildenden Schulen – nicht zu verwechseln mit dem Theaterlehrer als Schauspiellehrer, der professionelle Schauspieler ausbildet – wirft gleichzeitig die Frage der richtigen Bezeichnung auf. Sind nicht Theaterlehrer auch Pädagogen? Wie ist das mit der Ausbildung? Wir kennen die Probleme, die das reine fachwissenschaftliche Studium für Lehrer im gymnasialen Bildungsgang aufwirft. Fachidioten, die keine Ahnung davon haben, wie man Bildungsprozesse bei jungen Menschen in Gang setzt und diese erfolgreich begleitet. Zumindest stand das nicht auf meiner Studienagenda. Neuerdings gibts da ein wenig Bewegung in der Lehrerausbildung.

Das Unterrichtsfach Theater/ Darstellendes Spiel hatte das Glück, da es hauptsächlich als Weiterbildungsangebot in die Welt kam, sich selbst zu erschaffen und hat folgerichtig versucht, mehr Nähe zum zukünftigen Arbeitsfeld Schule herzustellen und diese Anforderungen im Auge zu behalten.

Diese veränderte theaterpädagogische Bildungslandschaft treibt kuriose Blüten. Die Schulen erleben das Unterrichtsfach Theater/ Darstellendes Spiel vielfach als von Schülern und Eltern stark nachgefragtes Bildungsangebot. Die Ausbildungskapazitäten für Theaterlehrer sind sehr begrenzt. Nur der Uni-Verbund Hildesheim/ Hannover/ Braunschweig bietet in Deutschland einen grundständigen Lehramtsstudiengang Theater an. Alle andere Qualifikationsmöglichkeiten an Unis bzw. in den Lehrerfortbildungsinstituten der Länder sind ausgebildeten Lehrern vorbehalten als Erweiterungsstudiengänge mit einer gleichwertigen Fakultas wie die universitäre Ausbildung.

Auf der einen Seite haben wir also einen großen Bedarf an Theaterlehrern in Schulen und auf der anderen Seite eine große Anzahl Arbeit suchender Theaterpädagogen.

Was liegt näher als hier eine Vermittlung zu versuchen?

Die erste Frage, die sich stellt, ist die nach der erforderlichen Qualifikation und Ausbildung.

Es gibt Stimmen in den Theaterlehrerverbänden, die es strikt ablehnen, dass Theaterpädagogen in Schulen als Theaterlehrer arbeiten. Warum? Es wird die fehlende Qualifikation angemahnt.

Ich gehöre nicht zu dieser Fraktion und sehe außerdem, dass die Entwicklung diese Sturköpfigkeit bereits vielerorts überrollt hat. Schulen stellen bereits Theaterpädagogen im Rahmen ihrer zunehmenden Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit ein. Manko: Übergeordnete Schulbehörden erlauben zuweilen nicht die Abiturabnahme im Fach Theater durch Theaterpädagogen, sondern bestehen darauf, dass hier ausgebildete Theaterlehrer eingesetzt werden. Fakt ist: Ein Schulleiter kann das grundsätzlich alleine entscheiden. Wermutstropfen: die vorgesetzte Dienststelle kann ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Hintergrund: Angst vor Elternklagen.

Was ist zu tun, um diese Situation – hier Arbeitskräftemangel, dort Arbeitsuchende – zu allseitigem Nutzen zu klären?

Da zumindest mittelfristig, also in den nächsten 5 – 10 Jahren nicht mit einer massiven Zunahme an grundständigen Lehramts-Studiengängen Theater zu rechnen ist – die Unis kreisen da mehr um sich selbst und nähren die wahre Legende vom Elfenbeinturm – sollten Theaterpädagogen sich qualifizieren, was die theaterlehrerspezifischen Kompetenzen betrifft. Dies ist mit Hilfe der zahlreichen Fortbildungsangebote der Verbände vielerorts möglich.

Mit diesen Zertifikaten können sie sich direkt an Schulen bewerben, die Bedarf haben.

Bittere Pille: Die Bezahlung

In Hessen beispielsweise macht die einstellende Schulbehörde, das staatliche Schulamt, Verträge mit nicht ausgebildeten Lehrern in der Tarifgruppe E6. Das sind in der Stufe 1 2.022 € bei 27 Wochenstunden plus Alterszuschlägen.

Für sog. Aushilfen zahlen die Hessen pro Unterrichtsstunde 15 € ohne Abschluss, 20 € mit irgend einem Abschluss und 25 € mit Lehramtsexamen.

In anderen Bundesländern sieht es anders aus. Auf dem freien Markt sowieso. Hier schwanken die Honorare zwischen 30 und 70 € pro Stunde. Teilweise werden unverschämt niedrige Angebote gemacht oder sogar kostenlose Arbeit erwartet. Dem sollte man sich nicht aussetzen und selbstbewusst auf der Basis der eigenen Ausbildung und Berufserfahrung ein angemessenes Honorar verhandeln.

Laut Auskunft des Deutschen Bühnenvereins vom März 2013 beträgt die Mindestgage für Theaterpädagogen mit Vollzeitstelle gemäß Tarifvertrag 1.650 € im Monat. Diese Mindestgage ist verhandelbar, sodass in Theatern der Öffentlichen Hand auch 1.700 – 1.800 € gezahlt werden. Die Lage bei den privaten Theatern weicht vermutlich davon ab.

Der Deutsche Bühnenverein führt keine Statistik. Langjährige Erfahrungswerte zeigen, dass Theaterpädagogen mit mehrjähriger Berufserfahrung durchaus auf 2.000 – 2.500 € kommen können; mit mehr als 10-jähriger Berufserfahrung sind auch 3.000 € drin.

Darüber hinaus informiert der Deutsche Bühnenverein auch recht gut über das Arbeitsfeld und die Tätigkeiten eines Theaterpädagogen.

Der Trost

Die weiter zunehmende Eigenständigkeit, die Öffnung von Schulen für Externe/ Fachunterrichtsferne/ Seiteneinsteiger lässt meiner Einschätzung nach die Chancen für Theaterpädagogen mittel- und langfristig wachsen, in Schulen Arbeit zu finden.

Der Beamtenstatus steht mehr und mehr auf dem Prüfstand, wird teilweise durch Angestelltenverträge für Lehrer bereits ausgehöhlt.

Politische Doktrinen und angstbesetzte Dienstbehörden können relativ schnell der Vergangenheit angehören. Ich habe bereits an Schulen gearbeitet, dort haben Dipl.- Mathematiker Matheunterricht und Unternehmer PoWi erteilt und Sportler ohne akademische Ausbildung nur mit einem Trainerschein B das Sportabitur abgenommen und Studenten der Theaterwissenschaften und Schauspieler haben in der Oberstufe Theaterunterricht erteilt. In allen Fällen hat die Schulleitung die Qualifikationen der Unterrichtenden für ausreichend erachtet und die Genehmigung erteilt. Die vorgesetzte Dienstbehörde hatte nichts dagegen.

Wie lösen wir das Problem?

Lieber weiter bei den Behörden mehr Theaterlehrer für die Schulen fordern? Und weiter warten auf politisch uns wohlgesonnene Machthaber, die unsere Forderungen erfüllen? Und weiter auf Unis warten, ob sie vielleicht doch irgendwann einmal eine angemessene Zahl von Lehramtsstudiengängen für Theaterlehrer einrichten? Mit der Folge, dass eben viel zu wenig Theaterunterricht erteilt wird.

Oder aktuell Arbeit suchende Theaterpädagogen mit entsprechenden Theaterlehrerkompetenzen qualifizieren und das Übel der „schlecht bezahlten Konkurrenz“ für Theaterlehrer im eigenen Hause aushalten? Mit der Folge, dass mehr Theaterunterricht an Schulen erteilt wird.

Wer hat Lösungsvorschläge?

Ein Gedanke zu „Theaterpädagogen und Theaterlehrer – Arbeitsfelder/ Schnittmengen/ Honorare

  1. Also das finde ich jetzt mal ein echt spannendes Thema. Obwohl, das sieht mir eher nach einem Dilemma aus. Ich bin seit einigen Jahren Theaterlehrerin an einer integrierten Gesamtschule und wir haben genug Theaterlehrer an der Schule. Das hat auch was mit der Schulleitung zu tun, die schon immer das Darstellende Spiel gefördert hat.
    Ich wäre natürlich sauer, wenn ich meinen Job als Theaterlehrerin abgeben müsste, weil meine Schulleitung meint, sie könne mit billigeren Theaterpädagogen den Theaterunterrricht abdecken und ich müsste wieder mehr in meinen anderen Fächern arbeiten. Das will ich nicht.
    Andererseits kann ich die Theaterpädagogen, die in die Schule als vermeintlich sicheren Arbeitsplatz wollen, schon verstehen.
    Wieso das eine tun und das andere nicht lassen? Weiter mehr Ausbildungsplätze für Theaterlehrer fordern und so lange es nicht genug gibt können ja auch Theaterpädagogen mit einsteigen. Die sollten nur nachher nicht gefeuert werden, und es dann heißt, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen. da müsste ne Lösung her.
    Heiß heiß heiß.
    Was sagen da eigentlich die Verbänd dazu?

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