Theaterhandwerk lernen

Ja wie unterrichtet man denn jetzt eigentlich Theater?

Die wirklich hilfreichen Praxis-Beschreibungen und Anwendungshilfen sind rar. In neusten Fachpublikationen findet man vielerlei berechtigte Fragen, wie denn nun die Themen auf die Spielfläche kommen sollen und welche Formensprache benutzt werden soll. Es wird gefragt, wer was, wen und wie inszeniert.
Als Antwort und schlüssige Arbeitsweise liest man u.a., dass man Inszenierungen aus Improvisationen entwickeln soll. – Schonmal gut. – Die sollen dann genau angeschaut, darüber nachgedacht und wiederholt werden, aber nach anderen Spielregeln. – Auch ok. Aber welche Regeln?
Anschließend sollen sie geübt und verdichtet werden. – Guter Hinweis.
Aber wie geht das denn nun genau?
An anderer Stelle schreibt ein Spielleiter, dass er Bewegungen zerlegen lässt und Spielprinzipien herausfiltert.
Wie er das macht? Indem er viel übertreiben lässt.
An wieder anderer Stelle hatte ich die Hoffnung, die in der Überschrift gestellte Frage „Wie Theater machen“ würde beantwortet. Statt dessen erhalte ich sprachlich redundant aufgeblasenes Allerweltswissen als Antwort, ich als Theaterlehrer soll den Dialog mit meinem Ensemble in aller Klarheit und Deutlichkeit führen. Ich soll über ein Repertoire von Verfahrensweisen verfügen, die je nach Situation bewusst ausgewählt und angepasst werden. – Ja klar. Was denn sonst? Man nennt das: für seinen Job ausgebildet sein.

Leider reiht sich in der Fachliteratur Aufsätzchen an Aufsätzchen dieser Art, Jahr für Jahr. Ich entdecke leider nur wenig wirklich Hilfreiches dabei. Hilfreich im Sinne, dass mir als Theaterlehrer gezeigt wird, wie ich denn nun praktisch vorgehen kann, um meine Ziele zu erreichen. Und leider berichten mir auch viele ausgebildete Theaterlehrer und Theaterpädagogen von ihren Problemen, dass sie eigentlich gar nicht ausreichend gelernt hätten, wie sie denn nun in der Schule Theater unterrichten sollen.

Ich war lange unzufrieden mit meinem eigenen Unterricht, den ich anfangs u.a. aus auf Festivals zusammengeklauten Fragmenten, Spontanideen und resignierten „Na dann macht mal!“-Seufzern zu Schülervorschlägen zusammenstoppelte. Immer mal wieder erwischte ich mich in der Regisseurs-Pose (vgl. den Aufsatz von Ines Habich: Theaterpädagogen – Theatermacher 2. Klasse …? In: Spiel & Theater Heft 192, Oktober 2013, S. 27) mit der Attitüde desjenigen mit dem großen Wissensvorsprung, der über die Kenntnisse der geheimen undurchschaubaren theatralen Wirkungskunst verfügt. Halt Herrschaftswissen. Aber immer dringlicher stellte sich mir die Frage, was ich an meinem Unterricht ändern muss, damit für die Schüler ein maximaler Lernerfolg möglich wird. Damit sie das System und die Kunst Theater durchschauen, verstehen und selbst als Kulturtechnik in ihr Leben integrieren können. –
Das ist mein Antrieb für die Kursbücher gewesen.
Und den ewigen Missverstehern nochmal ins Stammbuch geschrieben: Nein, ich will nicht, dass alles von den Schülern selbst kommt. Das ist doch Blödsinn. Ich will, dass die Schüler am Ende des Lernprozesses möglichst vieles selbst können. Das ist unser Bildungsauftrag: Hinführen zur Selbstständigkeit. Und dazu müssen wir als Lehrer engagierte, inspirierte/ inspirierende, kompetente, begeisternde, einfühlsame, teamfähige Vorbilder sein, die entsprechende Impulse und häufiges Feedback geben, Angebote machen, begleiten, betreuen, fördern … Aber das ist doch alles schon tausend mal gesagt worden.
Es gilt noch immer. Mehr denn je.

Und hier ist mein neuster Beitrag für uns Theaterlehrer, wie wir guten Theaterunterricht machen können … und noch ein paar weitere interessante und hilfreiche Praxisbeschreibungen.

 

List, Volker: Theaterhandwerk lernen – Kompositionsmethoden.

In: Spiel & Theater, Heft 192, Weinheim Oktober 2013.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

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