Theater im Deutschunterricht

Das in zweijährigem Rhythmus an wechselnden Unis stattfindende Deutschdidaktik-Symposion ist die Plattform zum Austausch der Deutschdidaktiker des deutschsprachigen Raumes. Das diesjährige Motto: Sprachlich-literarische Vielfalt wahrnehmen, aufgreifen, fördern. Eingeladen hatte die Uni Bayreuth, Veranstaltungsort: Uni Augsburg.

In 15 Sektionen konnten sich die Teilnehmer zu unterschiedlichen Themengebieten wie beispielsweise Grammatik-/ Rechtschreibunterricht, kreatives Schreiben usw. informieren und Forschungsergebnisse diskutieren. Eine Sektion holte das Thema Theater in den Fokus: Vielfalt des Dramatischen und Theatralen in didaktischer Sicht.

Der Bogen der angebotenen Themen spannte sich von der Analyse von Dramentexten über Kindertheater bis zum Unterrichtsfach Darstellendes Spiel/ Theater.

Betrachtet man die aktuellsten Publikationen zu diesem Thema und lauscht den Beiträgen der Teilnehmer, dann liegt die Vermutung nahe, dass das Unterrichtsfach Darstellendes Spiel/ Theater, das zumindest in der Oberstufe in Deutschland etabliert ist, noch nicht so recht im Bewusstsein von Deutschdidaktikern an den Unis angekommen zu sein scheint.

Auf der eine Seite beklagt man das Unvermögen von Schülern, angemessen über Theater sprechen zu können – die sogenannte Anschlusskommunikation –  auf der anderen Seite streiten Didaktiker darüber, ob überhaupt (alle) theatrale Erfahrung versprachlichbar ist. Damit läge dieser Bereich außerhalb des Beschreibbaren und wirft die Frage der Bewertbarkeit auf. Wie geht man nun damit in der Schule um? –

In meinem Vortrag und einem Workshop versuchte ich eine Perspektive zu eröffnen und mit Beispielen zu demonstrieren, wie das Lernen in diesem Bereich effektiver gestaltet werden kann.

Nicht effektiv ist eine Lernsituation, in der Schüler in vom Lehrer als wesentliches Bildungsgut ausgemachte Theaterstücke (ab)geführt werden und danach gezwungen werden, einen Aufsatz dazu schreiben müssen. Das sei leider noch gängige Praxis, so Teilnehmer der Sektion.

Effektiv ist eine Lernsituation – basierend auf langjährigen, umfangreichen Forschungsergebnissen und vernünftigem Erfahrungswissen – in der ein mentaler Impuls (ein Inhalt) und ein Bewegungsimpuls in emotional positiver Atmosphäre gleichzeitig auf ein Neuron im Gehirn treffen.

Welches Fazit lässt sich aus diesen Erkenntnissen für unseren Themenbereich ziehen?

Schüler sollten bei der Auswahl der besuchten Theaterstücke selbst entscheiden oder zumindest mitentscheiden. Der Lehrer sollte angemessene Angebote machen können für seine Zielgruppe. Neue Kinder- und Jugendtheaterstücke bieten eine mittlerweile große Auswahl an Themen, Spielformen und Figuren, die die Welt nicht mehr normativ gekästelt zeigen. Sie zeigen und bearbeiten nun auch Themen und Probleme, die bisher tabuisiert wurden (siehe die Reihe Spielplatz, insbesondere den neusten Band 25 „Nah dran!“).

Schulen, in denen Darstellendes Spiel/ Theater unterrichtet wird, bieten sich an, mit Deutschkursen deren Werkschauen oder Proben zu besuchen. Ein methodisch-systematischer Theaterunterricht eröffnet Schülern mehr Möglichkeiten, sach- und fachangemessen über Theater zu sprechen. Sie verfügen in der Regel über eine umfangreichere Kommunikationskompetenz durch ihr Theatertraining, das diese Kompetenz gezielt ausbaut. Die Situation, dass Schülergruppen – hier Deutsch- und Theaterkurse – in respekt- und vertrauensvoller Weise voneinander lernen können, sollte genutzt werden.

Sie schließt nicht aus, nach dem Erwerb einer bestimmten Grundkompetenz über Theater angemessen sprechen zu können, auch anspruchsvollere professionelle Theaterstücke anzuschauen.

Diese fächerübergreifende Arbeit kann weiterentwickelt werden zu gemeinsamer Projektarbeit, in der Deutsch- und Theaterkurse in einem gemeinsamen Projekt verschiedene Lernfelder definieren und abstecken, die eine fruchtbare Arbeit in den Bereichen Theaterproduktion und Theaterrezeption erlauben.

Ein Einstieg in regelmäßige Besuche von Theaterproben mit klar definierten und entsprechend vorbereiteten konstruktiven Feedback-Ritualen kann diese Form der Projektarbeit inspirierend vorbereiten.

Auf der einen Seite können die Theaterproduzenten einem (Fach-)Publikum schrittweise ihre Arbeitsergebnisse präsentieren und hilfreiches Feedback und Impulse für die weitere Arbeit erhalten. Auf der anderen Seite wird die Kompetenz aller, sich über Theater angemessen zu verständigen kontinuierlich erweitert. Theaterproduktion und Theaterrezeption werden auf diese Weise organisch in lustvollem Kontext ganzheitlichen Kunstgenusses erlebt und erfahren.

Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt, dass Deutsch- und Theaterkurse ihre durch das Schulsystem künstlich errichteten Fach-Abgrenzungen wieder überwinden und sich als eine Projektgruppe konstituieren, die ein gemeinsames Projektziel definiert und darin die Facetten  und Bereiche beschreibt, in der die jeweiligen zu erwerbenden Fach-Kompetenzen festgelegt werden, die zur Erreichung des Projektziels notwendig sind.

Fächerübergreifender Unterricht hätte damit im Projekt eine Lernform gefunden, Theater reflektierend als das zu erleben, zu erfahren und zu beschreiben, was es originär ist: Darstellendes Spiel vor Publikum.____________

Der Hinweis zu effektivem Lernen bezieht sich u.a. auf Forschungsergebnisse
der Sporthochschule Köln > Gehirn und körperliche Aktivität, Forschungsprojekte,
des neurobiologischen Instituts Heidelberg > Prof. Dr. Hannah Monyer: Dirigenten für unser Denken. In: Innovate! Das Magazin für Forschung und Technologie. September 2006. S. 34-38
und Prof. Dr. Gerald Hüther.

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