Lernfeld Szenografie

Raumgestaltung mit Holzquadern

Die Arbeit mit abstrakten Formen oder besser gesagt nicht-naturalistischem Einsatz von Material hat für unser junges Fach viele Vorteile. Zunächst ist da die Multifunktionalität zu nennen: Ein Satz Holzquader reicht für die ganze Welt. Buchstäblich die Bretter, die die Welt bedeuten.

Die Abstraktheit der Formen reduziert und fokussiert gleichermaßen. Die wichtigen Fragen rücken in den Mittelpunkt:

Wer bewegt sich wo auf der Spielfläche (in der Horizontalen > 9-Punkte-Feld und in der Vertikalen > liegen, sitzen/knien, stehen) und warum? Dramaturgische Begründen werden notwendig. Warum gerade dort?

Die Multifunktionalität ermöglicht vielfältige Nutzung ohne die scheußlichen Umbaupausen (Ich würde sie per Dekret verbieten, weil sie meist dramaturgisch nicht notwendig und sinnvoll sind und den Spannungsbogen zerreissen).

Was gerade noch Bank in der Laube war (Säule quer gelegt, 2 grüne Tücher) wird mit einem Handgriff (den der Spieler leicht selbst macht) zum Schafott (rotes Tuch). Diese Spielweise setzt sehr viel Spielfantasie bei Schülern frei und überrascht immer wieder das Publikum. Die Abstraktheit der Szenografie drängt die Schüler, in ihrer Körperlichkeit besonders expressiv zu sein, präzise und deutlich zu spielen, denn nicht die Kulisse schreit: Dies ist eine Kirche (weil ein echter Altar auf die Spielfläche gewuchtet wurde) oder eine Autowerkstatt (weil ein echtes Auto auf die Spielfläche gefahren wird) sondern die zwei drei räumlich nach bestimmten Kriterien angeordneten Holzquader stützen die Illusion, die die Spieler durch ihre Körperlichkeit erzeugen.

Im postdramatischen Theater können die Körper entsprechend zu Bühnensubjekten werden, die in ihrer reinen räumlichen oder dreidimensionalen Form und Funktion genutzt werden. Siehe dazu auch das 6. Modul „Raumkonzept und Atmosphäre“ des Aufbaukurses 2 im Kursbuch Darstellendes Spiel.

Theater als neues Unterrichtsfach hat sich aus alten Traditionen und Beschränkungen zu lösen. Hierzu gehört die Vorstellung und immer noch verbreitete Meinung, es müsse beim Zuschauer die Illusion einer naturalistischen Kulisse erweckt werden. Die im Folgenden beschriebene szenografische Arbeit zeigt die vielfältigen Vorteile der Nutzung abstrakter Formen im Theaterunterricht. Die beschriebenen Holzquader lassen sich multifunktional einsetzen und regen die Schüler an, dramaturgisch-szenografische Fragen in den Fokus zu stellen und verschwenden keine Energie mehr in das tendenziell unbegrenzte Sammeln naturalistischer Kulissenteile > siehe Gestaltungs- und Spielimpulse. Auch zentriert die Schüler diese Arbeitsweise mehr auf den originären theatralen Ausdruck, den Körper und sein Spiel im Raum. Die Holzquader als Konstituenten für Raum öffnen im darstellenden Spiel damit sogenannte Leerstellen – frei nach der Theorie von Iser – und können somit die Inspirationskraft von Spielern und Publikum in weit  stärkerem Maße anregen als 1:1-Abbildungen von Gegenständen auf der Bühne.

Das Material:

Tischlerplatte 19 mm verleimt und verschraubt.

Würfel:  40 x 40 x 40 cm

Säule:    40 x 40 x 80 cm

Podest:  40 x 80 x 80 cm

Säulen und Podeste enthalten im Innern noch entsprechende Querverstrebungen zur Versteifung, d.h. im Innern der Säulen befindet sich noch in der Mitte ebenfalls eine entsprechende Platte 40 x 36,2 cm.

Die Podeste durchzieht ein entsprechendes Plattenkreuz, sodass die Platten der Holzquader im Abstand von max. 40 cm von innen gestützt werden.

Belastbarkeit: 10 Personen können vom Gewicht her problemlos auf einem Podest stehen.

Preis für 8 Würfel, 4 Säulen und 2 Podest beim Schreiner ca. 800 €.

Die Quader sind unbehandelt mit Farbe o. Ä.

Aufgaben:

Kreiert in Kleingruppen mit den Holzquadern zwei bis drei verschiedene Räume. (KB1 und KB2)

Platziert euch als unterschiedliche Figuren, d.h. in unterschiedlichen Körperhaltungen in die jeweiligen Räume, sodass ausdrucksstarke Standbilder, Tableaux entstehen. Macht dabei auch Beziehungen der Figuren untereinander deutlich. (KB1 und KB2)

Fakultativ:

Stellt auch Holzquader dorthin, wo sich das Publikum befindet und sprecht darüber, welche Wirkung ihr damit erzielen wollt. (KB 3)

Präsentiert der Gesamtgruppe eure Tableaux und lasst eure Zuschauer raten, welche Orte ihr darstellen wollt und was sich dort ereignet.

Auswertung/Feedback:

- Sind die Holzquader der jeweiligen Räume so platziert, dass Zuschauer schnell klar erkennen, um welchen Raum es sich handelt?

- Sind die Figuren und ihr Körperausdruck passend gewählt, um die Raumillusion zu verstärken?

- In welcher Weise unterstützen die Holzquader als nicht-naturalistische Kulissen den Raumausdruck und die szenische Darstellung?

- Welche Anforderungen stellt diese nicht-naturalistische Kulisse an den Ausdruck und die Spielweise der Darsteller?

Fakultativ:

Sprecht darüber wann und wo im Theater Kulissen nicht als naturalistische eingesetzt werden und welche Wirkung die Regisseure damit erzielen wollen und wie diese Szenografie vom Publikum aufgenommen wurde. (KB4)

Anmerkung:

Die Kompetenzbereiche, die mit der Übung trainiert werden, sind in Klammern eingefügt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>