Fachraum Theater/ Darstellendes Spiel

Das Unterrichtsfach Theater/Darstellendes Spiel benötigt angemessene Fachräume.

Qualitativ hochwertiger Theaterunterricht benötigt einen angemessen ausgestatteten Fachraum.

Wir Theaterlehrer sollten diese Forderung einerseits mutig vor unseren Schulträgern, Schulleitern und Gesamtkonferenzen vertreten, andererseits uns nicht darauf verlassen und auch selbst aktiv werden.

Was können wir tun?
Ausgangspunkt unserer Aktivitäten ist die Suche im Schulgebäude nach einem geeigneten Raum, sofern ein Ergänzungs- oder Neubau nicht in Frage kommt.

 

 

Folgende Kriterien helfen bei unserer Suche:

  1. -Raumgröße: Wir rechnen mit 4 qm pro Person, d.h. bei 25 Schülern wäre eine Raumgröße von 100 qm sinnvoll. In der Weidigschule (siehe Fotos) haben wir ca. 60 qm Spielfläche. Je höher der Raum, umso besser.
  2. -Licht und Luft: Da wir im Theaterunterricht viel Aktivität entwickeln, steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Also muss ausreichend belüftet werden. Räume mit Fenstern erfordern aufwändige Verdunkelung, entweder per Verdunkelungsrollos oder schwarzen Moltonvorhängen. Fensterlose Räume benötigen eine Belüftungsanlage.
  3. -Ein- und Ausgänge: Nützlich sind zwei Zugänge zum Raum, die für Publikum und Spielfläche genutzt werden (Notausgänge!).
  4. -Zusatzräume: Neben dem eigentlichen Fach- und Aufführungsraum ist ein kleiner Nebenraum in unmittelbarer Nähe hilfreich, in dem Arbeitsmaterial gelagert wird (Requisiten, Schminke, Kulissen usw.).
  5. -Vorraum/Foyer: Der Zugang zum Theaterfachraum sollte nicht zu eng sein, damit Zuschauer ausreichend Warteraum haben und vielleicht auch Platz für Premierenfeiern besteht.

Gespräche führen, Allianzen schmieden
Sind mögliche Räume ins Auge gefasst, ist es sinnvoll, einen Experten hinzuzuziehen. In vielen Schulen ist der stellvertretende Schulleiter für bauliche Veränderungen zuständig; er hat auch den Überblick über alle Räume, er kann Hinweise geben, welche Kellerräume es noch gibt, von denen man nichts weiß, und welche Zwischenwände sich relativ leicht entfernen lassen.

Tangiert unsere Suche andere Fachbereiche, ist natürlich das Gespräch und der gemeinsame Vorteil und Nutzen von Umbaumaßnahmen zu suchen. Treten mehrere Fachbereiche, z.B. Theater, Musik und Kunst gemeinsam auf, erhöht das die Durchsetzungskraft.

Ausstattung

Alles in Schwarz
Ist der Raum gefunden, dann müssen wir ihn wieder verschwinden lassen. Alles muss schwarz gestrichen werden. Schwarz als Nicht-Farbe soll signalisieren, hier ist nichts zu sehen. Wir kreieren ja erst mit unserer Darstellung auf der Spielfläche den Raum.

Boden

Traditionell ist Holzboden angesagt. Aber auch strapazierfähiger Teppichboden ist möglich, jedenfalls gemütlicher. Farbe: grau.

 

Wände, Vorhänge

Um verdeckte Auf- und Abgangsmöglichkeiten zu schaffen eignen sich Vorhänge aus schwarzem Bühnenmolton (nicht brennbar), die in einem Abstand zwischen von 50 – 100 cm vor den Wänden angebracht sind. Die Aufhängung erfolgt am günstigsten mittels Drahtseilverspannung und Duschvorhangringen.

Einen Bühnenvorhang zum Publikum haben wir nicht installiert, aber in der Mitte des Raumes aus leichtem Bühnennessel (nicht brennbar) einen Vorhang für Schattentheater, der auch zuweilen als Abgrenzung bei der Arbeit in Kleingruppen bzw. bei Werkschauen als Raumelement benutzt wird. Mehrere weitere Drahtseilabspannungen ermöglichen es, Vorhänge oder andere Dinge flexibel aufzuhängen.

Raumlicht

Helle Raumbeleuchtung durch mehrere Lichtleisten (Leuchtstoffröhren)

 

Stromanschlüsse

4 mal 32A/380V-Anschlüsse für 4 Powerpacks (für je 6 Leuchten) = 24 anschließbare Bühnen-Leuchten 220V/bis 1000W.

In jeder Ecke des Raumes mindestens 4 mal 220V-Steckdosen.

Bühnenlicht- und Tonsteuerung

Die Steuerung des Lichts erfolgt am sinnvollsten über ein 12- bzw. 24- Kanal-Steuerpult mit zwei Pre-Sets, d.h. alle Regler sind doppelt vorhanden, sodass die folgende Szene eingestellt werden kann, während die aktuelle läuft und es wird dann beim Übergang von der einen in die andere Szene nur übergeblendet. Digital programmierbare Steuerpulte sind für Theaterunterricht nicht sinnvoll.

Die Beleuchtung der Bühne erfolgt mit Flutern (als Grundlicht) und mit  Stufen- oder Fresnellinsenleuchten mit Farbfiltereinschüben und  Torblenden (zur Gestaltung).

Evtl. Schwarzlicht-Leuchten.

Genauere Beschreibung der für Theaterunterricht sinnvollen Leuchten und ihres Einsatzes, Lichtprotokoll-Vordrucke und vieles mehr sind zu finden auf der CD-ROM „Theaterübungen“. 

Podesterie

Bühnenelemente, 200 mal 100 cm mit variabel einsetzbaren Füßen, Verbindungsstreben und Handläufen.

Kleine Geschichte des Theaterstudios der Weidigschule in Butzbach

An der Weidigschule waren wir auch vor Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Fachraum für unser Theaterstudio. Ein Kollege zeigte mir damals sein sehr zweckmäßig eingerichtetes „Religionszentrum“ in einem fensterlosen Kellerraum, das sich bei näherer Betrachtung als doppelt so groß erwies, als es den Anschein hatte, da ein Raumteiler die Sicht verwehrte (7,5 mal 18 m).

Er bot mir an, in einen nahegelegenen anderen Raum, der für ihn zweckmäßiger erschien, umzuziehen und dem Fach Theater diesen Raum zur Verfügung zu stellen. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar.

Das Leerräumen brachte einige Überraschungen zutage, u.a. alte Hasenkästen (!) eines längst verstorbenen Schulleiters der Weidigschule.

In der Folgezeit habe ich – natürlich überwiegend in meiner Freizeit und mit meinem Werkzeug – den Raum zu dem gemacht, was er heute ist. Das hat etwa zehn Jahre gedauert. Die Lichtanlage habe ich beispielsweise mit Festivalinszenierungs-Preisen meiner AGs finanziert. Eimerweise schwarze Farbe und Malerwerkzeug stiftete der Verein der Freunde der Weidigschule und in einem Jahr erhielt ich die gesamte Elternspende der Weidigschule zum Kauf der Podesterie. Auch hätte ich das Projekt ohne die hilfreiche Beratung und Unterstützung der Schulleitung nicht realisieren können.

Beratungsangebot

Seit vielen Jahren berate ich Schulen, die sich auch auf den Weg gemacht haben, das Fach Theater zu etablieren, und unterstütze sie mit meinem Wissen und meiner Erfahrung.

Bei Bedarf setzt euch direkt mit mir in Verbindung.

Ach ja, noch was Wichtiges am Ende:

Vergesst nicht Feuerlöscher installieren zu lassen!

3 Gedanken zu „Fachraum Theater/ Darstellendes Spiel

  1. Sebastian Bäcker
    Volkers letzten Tipp, sich direkt mit ihm in Verbindung zu setzen, habe ich dann mal in die Tat umgesetzt und möchte euch kurz von der topp Beratung berichten. Ich halte es hierbei für erwähnenswert, dass mich Volker nicht nur darüber beraten hat, wie ein Theaterraum im Generellen eingerichtet und strukturiert sein sollte, sondern dieses Wissen auch immer konkret auf den eigenen Theaterraum der Schule bezog, an der ich arbeite. Seine Tipps für diese Gestaltung unseres Raumes konnte er immer an praxisnahen Beispielen erklären.

    Ich freue mich, lieber Volker, dass die Einrichtung unseres Theaterraums bald deine Handschrift tragen wird und danke dir für die Zeit und die viele Arbeit, die du dafür investiert hast.
    Freitag, 8. Juli 2011 – 13:43

  2. Marina
    Ich war auf der Weidigschule immer am liebsten in dem kleinen muffigen Raum neben dem Relizentrum, durch dessen Tür man regelmäßig zu Ruhe ermahnt wurde, Der DS Raum an sich war schon spannend, weil alle Schüler der Klassenräume drum rum meistens noch in der Unterstufe waren und den Raum deswegen noch nie von Innen gesegen hatten. Am besten am Raum fand ich das Feeling, wenn man rein kam: Es lief Musik, alle rannten hinter die Vorhänge, um sich umzuziehen und dann kam mit Abstand das Beste – der Sitzkreis. Da konnte man endlich mal das sagen, was man dachte, egal in welchem Ton, egal mit welchen Worten und egal um was es ging. Ich bin fest davon überzeugt, dass niemand, der jemals DS hatte ein Seminar von Volker belgen muss, denn von der 9 bis in die 13 habe ich am meisten in DS gelernt. Natürlich nicht wie ich mit Vektoren rechne, oder wie Grammatik funktioniert, aber Selbstbewusstsein, Teamwork etc. und das alles noch mit viel Spaß, war schon etwas besonderes. Ich hoffe, dass es bald an mehreren Schulen angeboten wird, denn es ist extrem schade, wenn man aufgeregt davon erzählt und der Gegenüber schaut einen an und sagt „D was für ein Fach?“
    Montag, 3. Januar 2011 – 20:26

  3. Hach,ich haette nie gedacht,dass mich die Beschreibung eines fensterlosen,schwarzen und kleinen Raumes einmal so in Wehmut versetzt. Ich weiss noch ziemlich genau, was ich das erste Mal gedacht habe, als ich den Raum in der 9. (!!!) Klasse betreten habe: Oh mein Gott, kann ich bitte das Wahlpflichtfach wechseln?? Jetzt im Nachhinein denke ich: Oh mein Gott, kann ich bitte wieder woechentlich DS Unterricht mit den verrueckten Leuten aus DS 13 haben? Weil dieses Fach so ziemlich der beste Mix und Ausgleich fuer den armen Schueler der Weidigschule war: Man konnte sich austoben, gehen lassen und ausrasten (was ab und an ziemlich hilfreich war) waehrend man gleichzeitig,schon fast unbewusst, was gelernt hat. Man lernt sich richtig zu praesentieren, seine Stimme richtig einzusetzen und im allgemeinen offener zu werden und auf Menschen zuzugehen. Das Meiste davon haben wir wahrscheinlich im Improtheater gelernt. Da wurde man dann halt einfach mal auf die Buehne gestellt, das Publikum bzw. die Mitschueler haben Impulse gegeben und dann stand man da und hat irgendetwas hergezaubert. Manchmal war es lustig,manchmal nicht. Manchmal war es sehr beruehrend,manchmal nicht. Manchmal war es schockierend,manchmal nicht. Aber jedesmal, wenn es NICHT so war hat man von Volker hilfreiche Tips bekommen,die meistens gut umzusetzen waren.
    Ich habe die Zeit wirklich sehr genossen und freue mich, besonders fuer Volker, ueber jeden, der sich fuer DS interessiert und den Mut hat dieses fach zu belegen.
    Valentina
    Donnerstag, 16. Dezember 2010 – 17:45

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.