Darstellendes Spiel – die Kunst Theater zu unterrichten

10. Mai 2014 in Bremen

Darstellendes Spiel – die Kunst Theater zu unterrichten

Zum theatralen Bildungskonzept mit den Kursbüchern
List, V. u.a.: Kursbuch Darstellendes Spiel Oberstufe, Klett 2009
List, V.: Kursbuch Impro-Theater Oberstufe, Klett 2012
List, V.: Kursbuch Theater machen Mittelstufe, Klett 2014

Die Fortbildung erläutert die Arbeit mit den Schülerarbeitsbüchern und regt die praktische und theoretische Auseinandersetzung an.

Veranstaltungsort: Landesinstitut für Schule (LIS) in Bremen
Datum: 10.05.2014
Uhrzeit: 10:00-17:00 Uhr
Leitung: Volker List

Im Fokus der Arbeit stehen
• die Impulse des Buches zur Anregung von Selbstlernprozessen im theatralen Feld
• die neue Rolle des Theaterlehrers als Lernprozessinitiator, Lernbegleiter, Coach und Supervisor
• Fragen nach der Qualität der Arbeitsergebnisse, der Präsentationsformen und den Besonderheiten der Öffentlichkeit bzw. des Publikums
• Fragen nach dem systematisch-methodischen Aufbau von Theaterkompetenzen und den Gestaltungsmöglichkeiten von theatraler Ästhetik im Theaterunterricht
• die Bedeutung von Feedback und konstruktive Formen
• Lernen und Üben durch Wiederholung
• bereits gemachte Erfahrungen mit dem Buch im Theaterunterricht in unterschiedlichen Jahrgangsstufen und daraus sich ergebende Themen und Fragen
• ein kurzer Blick auf das Kursbuch Theater machen Mittelstufe Klett 2014 und die Schnittstellen zum Oberstufenbuch

Prolog
Theater ist das schwierigste Unterrichtsfach überhaupt.
Warum?
Weil unser Inhalt gleichzeitig auch die Form ist, in der wir miteinander kommunizieren.
Wir beschäftigen uns bewusst und zielorientiert mit der Herstellung theatraler Formen und tun dies gleichzeitig in Formen, die auch als theatral beschrieben werden können.
Wir kommunizieren über theatrale Kommunikation u.a. mit Hilfe theatraler Zeichen.
Und wir spielen immer unterschiedliche Rollen, Lehrer und Schüler, mal Spielleiter, Regisseur, Dramaturg, Berater, Coach, Supervisor, Darsteller, Techniker usw. – “Ich habe heute den Leuten gegenüber eine Maske auf.” sagt der gefeierte Regisseur Thomas Ostermeier in Bezug auf sein Ensemble.

Und wir initiieren Lernprozesse.

Wir wissen sicher, dass der Mensch einerseits bis ins hohe Alter lernt durch Nachahmung – best practice – und andererseits am besten lernt, wenn er möglichst viele Sinne nutzt und möglichst viel selbst machen und selbst gestalten kann – trial and error.
Das heißt jetzt aber nicht, dass wir immer alles vormachen (müssen).
Das wäre ein grundlegendes Missverständnis und würde dem Selbstlernen und ausprobieren widersprechen.

Unser Vormachen im Lernprozess bezieht sich vielmehr auf unsere innere Haltung zum Lernprozess mit Heranwachsenden und unsere Fähigkeit ihnen das zu zeigen:
Das Feuer, das in uns für unsere Schüler und unsere gemeinsame Sache, unser gemeinsames Projekt brennt.

Dazwischen
Die Welt besteht aus vielen Teilen. Manche sagen aus Atomen, manche sagen aus Energie. Die Physiker können das besser als ich. Und nichts geht im All verloren. Ein tröstlicher Gedanke.

Sicher sind wir uns auch, dass Theater aus sehr vielen Teilen zusammengesetzt ist, und die unterschiedlichsten Formen annehmen kann; schier unendlich viele Kombinationen. Aber die Teile, die dabei benutzt werden sind immer mehr oder weniger die gleichen oder recht ähnliche. Ein endlicher Zeichenvorrat.
Immer wieder sehen wir recht ähnliche Settings: Einen Raum, in dem agiert wird. Leute die zuschauen oder auch mitmachen. Irgendwelche Themen werden verhandelt, mal deutlich erkennbar, mal nebulös verschleiert, wie Rätsel.

Erkennbar werden immer wieder die gleichen Mittel/ Gegenstände wie Requisiten, Kostüme, Masken, Licht, Ton usw. benutzt;  nicht zu vergessen als wichtigste Materie: der menschliche Körper.

Alles braucht handwerkliche Fertigkeiten, um mit den Mitteln/ den Dingen sachgerecht umzugehen. Es werden schauspielerische, küstlerisch-ästhetische Techniken und Methoden genutzt, um ein ästhetisches Produkt zu kreieren oder einen ästhetischen Prozess in Gang zu setzen.

Inhalt und Stoff im Theater kann alles sein, wie in der Literatur.
Und dann wirds richtig kompliziert.

Nach welchen Kriterien basteln wir das alles zusammen, dass wir es am Ende in den ästhetischen Gestaltungskategorien Handlungsbögen, Dynamik und Bildwirkung als Struktur, Spannung und Stimmung erleben und empfinden und – und das ist der Gipfel – auch in Sprache mit akzeptierten Fachbegriffen transparent und nachvollziehbar beschreiben können.

Epilog
Welche Widerstände wir hier zu überwinden haben zeigt sich darin, wenn Regisseure Auskunft über ihr Stück oder ihre Arbeitsweise geben sollen oder wenn Theaterkritiker ein Stück rezensieren und wir uns manchmal fragen: Wovon ist da eigentlich die Rede?
Auffallend ist, dass in den meisten Kritiken über das Eigentliche, die theatrale Form meist am wenigsten gesagt wird und Theaterkritiken zu einem eigenen literarischen Genre mutierten. Aber vielleicht war das schon immer so.

Inspirierendes Buch > Civaschi, M./ Milesi, G: Das Leben in 5 Sekunden.
200 Biografien von Gott bis Pippi Langstrumpf. Frankfurt/M 2013 FISCHER Scherz

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