„Die Kunst Theater zu lehren“

Ausgehend von den vielfältigen Erfahrungen, die ich seit den 1980er Jahren mit Theaterunterricht an verschiedenen Schulen in verschiedenen Jahrgangsstufen, in Workshops und Seminaren gemacht habe, scheint die Zeit reif für eine Bestandsaufnahme.

Was sollte ein Theaterlehrer tun und wie sollte er es tun, um für seine Schüler einen möglichst großen Mehrwert zu generieren?

Oder einfacher gefragt: Was macht guten Theaterunterricht aus?

Diese Frage werde ich versuchen umfassend zu beantworten in meiner Publikation „Die Kunst Theater zu lehren“, an der ich seit geraumer Zeit arbeite und die demnächst erscheinen wird und wofür ich hier bereits Titelschutz als Urheber anmelde.

Volker List, Hüttenberg, 01.01.2017

 

Meine Publikationen

Vorankündigung:

Ausgehend von den vielfältigen Erfahrungen, die ich seit den 1980er Jahren mit Theaterunterricht an verschiedenen Schulen in verschiedenen Jahrgangsstufen, in Workshops und Seminaren gemacht habe, scheint die Zeit reif für eine Bestandsaufnahme.

Was sollte ein Theaterlehrer tun und wie sollte er es tun, um für seine Schüler einen möglichst großen Mehrwert zu generieren?

Oder einfacher gefragt: Was macht guten Theaterunterricht aus?

Diese Frage werde ich versuchen umfassend zu beantworten in meiner Publikation „Die Kunst Theater zu lehren“, an der ich seit geraumer Zeit arbeite und die demnächst erscheinen wird und wofür ich hier bereits Titelschutz als Urheber anmelde.

Volker List, Hüttenberg, 10.06.2014

Aktuellere Publikationen von Volker List >

List, Volker: Baukasten theatraler Möglichkeiten
Nr. 1 Rollen und Figuren.
Stuttgart 2014. Klett Verlag

List, Volker: Kursbuch Theater machen.
Stuttgart 2014. Klett Verlag

Cover-S&T-Heft194-Oktober-2014List, Volker (2014): NO EDUCATION – Kinder als Juroren auf der Ruhrtriennale. Impulse von Künstlern versus Lernkonzepten von Theaterlehrern. Spiel & Theater. Heft 194. Weinheim. Deutscher Theaterverlag > PDF: Spiel-und-Theater-194-List-No-Education

 

 

 

List, Volker: Theaterhandwerk lernen – Kompositionsmethoden.

In: Spiel & Theater, Heft 192, Weinheim Oktober 2013.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

 

List, Volker: Der Theaterlehrer, das unbekannte Wesen. Versuch einer Positionsbestimmung im Rahmen eines E-Mail-Gespräches

In: Spiel & Theater, Heft 191, Weinheim April 2013.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 


Dittrich-Brauner, K./ Dittmann, E./  List, V./ Windisch, C.: Interaktive Großgruppen.
Heidelberg 2008 (1. Auflage), Springer Medizin Verlag
2., überarb. Aufl. 2013, 290 S. 54 Abb.

List, Volker: Impro-Theater erobert die Welt – zu Lande, zu Wasser, …
In: Spiel & Theater, Heft 190, Weinheim Oktober 2012.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker: Die sieben Merkmale des Theaterlehrers.
In: Spiel & Theater, Heft 189, Weinheim April 2012.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker: Kursbuch Impro-Theater.
Stuttgart 2012. Klett Verlag Rezension

List, Volker: 600 Theaterübungen. CD-ROM.
Frankfurt/M 2012

 

 


List, Volker u.a.: Kursbuch Darstellendes Spiel. Oberstufe. Stuttgart 2009. Klett-Verlag Kundenrezensionen

List, Volker: Kursmaterial Theater.
Frankfurt/M 2009. Theaterbuchversand Frankfurt/M

 

 

List, Volker: Alles eine Frage des Respekts? – Gedanken zum Verhalten von Jugendlichen bei Aufführungen.
In: Spiel & Theater, Heft 188, Weinheim Oktober 2011.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker: Elektronische Medien im Theaterunterricht.
und
List, Volker: Die sieben Irrtümer des Theaterlehrers.
In: Spiel & Theater, Heft 186, Weinheim Oktober 2010,
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

List, Volker u.a.: Ästhetische Freiheit und systematischer Kompetenzerwerb – ein Widerspruch? Teil 2.
In: Spiel & Theater, Heft 184, Weinheim Oktober 2009,
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker u.a.: Ästhetische Freiheit und systematischer Kompetenzerwerb – ein Widerspruch? Teil 1
In: Spiel & Theater, Heft 183, Weinheim April 2009,
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

List, Volker/ Dittrich-Brauner, Karin/ Dittmann, Eberhard/ Windisch, Carmen: Großgruppenverfahren. Lebendig lernen – Veränderungen gestalten.
Heidelberg 2008, Springer Medizin Verlag

 

 

List, Volker u.a.: Performance Art als Methode der Theaterpädagogik. Teil 2. Spiel & Theater, Heft 180, Weinheim Oktober 2007, Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker u.a.: Performance Art als Methode der Theaterpädagogik. Teil 1.
In: Spiel & Theater, Heft 179, Weinheim April 2007,
Deutscher Theaterverlag Weinheim

 

 

List, Volker/ Roßmanith, Andreas/ Dittmann, Eberhard: congress in motion  – ein neues Großgruppendesign setzt nachhaltige Impulse zur Veränderung in einem Banken-Fusionsprozess.
In: Wirtschaftspsychologie Heft 3/02, Bonn 2002

 

 

List, Volker (Hg): Der Weidig-Literaturpreis.
Die besten Texte aus fünf Jahren. BoD Norderstedt 2002

 

 

 

List, Volker/ Dittrich-Brauner, Karin/ Dittmann, Eberhard: Audi in Bewegung.
In: management & training, Magazin für human resources development 1/2002. Luchterhand Verlag 2002, Kriftel

 

 

List, Volker/ Dittrich-Brauner, Karin/ Dittmann, Eberhard: Visionen für eine bessere Zukunft.
In: Personalmagazin. Management, Recht und Praxis Nr. 12/2000. Rudolf Haufe Verlag, Freiburg

 

 

List, Volker: Körper und Raum. Hg. HeLP Verlag, Wiesbaden 2000

 

 

 

List, Volker: Kafka-Texte filmisch gelesen. Stark Verlag, Freising 2002

List, Volker/ Lück, Eckhard: DS KONKRET. Übungen für Theatertraining auf CD,  Frankfurt/M 2000

List, Volker: Theatrales Spiel – In Szene setzen. Stark Verlag, Freising 2000

 

List, Volker: Von der Vorlage zum Spiel. Hüttenberg 2000

 

 

 

 

List, Volker: Theatrales Spiel – Körper in Räumen. Stark Verlag, Freising 1999

Büchtertisch

Arbeitsfeld Theaterunterricht

Was ich als Theaterlehrer mache

Im Fokus meiner Überlegung steht, Schülern optimale Lernchancen im theatralen Feld anzubieten. Schüler erhalten im Theaterunterricht vielfältige  Möglichkeiten, Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Sie erwerben damit nicht nur theatrale Kompetenzen, sondern auch Prozess- und Projektsteuerungskompetenzen.

Seit den 1980er Jahren unterrichte ich Theater; zunächst in einer AG, später als Unterrichtsfach Darstellendes Spiel in der Oberstufe und als Wahlpflicht in der Sekundarstufe 1. In Hessen habe ich mitgeholfen dieses Unterrichtsfach für die Oberstufe zu entwickeln und eine Weiterbildungsmöglichkeit für Lehrer für das Fach Darstellendes Spiel zu schaffen.

In vielen Fortbildungsveranstaltungen und Vorträgen habe ich Theaterlehrer und -pädagogen Impulse gegeben, das Fach qualifiziert zu unterrichten.

In verschiedenen Publikationen habe ich mein Bildungskonzept beschrieben und Material erarbeitet, das den Kompetenzerwerb von Schülern im theaterästhetischen Bereich unterstützt.

Arbeitsfeld Szenische Interventionen

Mit hessischer Höflichkeit und wenig Scheu vor Honoratioren moderierte meine Lieblingsfigur „Karl-Heinz“ die 75-Jahr-Feier des GUV (Gemeinde-Unfallversicherungs-Verband Oldenburg).

Das ist immer eine kleine Gratwanderung: Wie wird die Ernsthaftigkeit  und Würde einer solchen Veranstaltung gewahrt? Wie viel Witz und Frechheit kann sich „Karl-Heinz“ erlauben? – 

Ich versuche die Energie dieser Kunstfigur zu nutzen, um alte ausgehöhlte Traditionen mit neuem Leben zu füllen. Dabei muss man natürlich bestimmte Formen zerstören, z.B. die unsägliche endlose Abfolge oft schlecht abgelesener Reden. Statt dessen setzt man die Lebendigkeit, die es letztlich zu feiern gilt, wenn etwas lange erfolgreich war. Dazu müssen die Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken; mit ihren persönlichen individuellen Erfahrungen und Erlebnissen.

Am 16. Juni 2010 hat eine meiner Lieblingsfiguren – Hausmeister Karl-Heinz – erstmals eine ganze Veranstaltung moderiert, und zwar die 60-Jahr-Feier der Unfallkasse des Bundes in Wilhelmshaven.

Bisher habe ich theatrale Kunstfiguren nur als szenische Interventionen eingesetzt.

Die für bestimmte Großgruppenveranstaltungen geschaffene Figuren sollen gezielt vorab besprochene Impulse geben und damit genau definierte Problemfelder, Themen, Prozesse und Abläufe auf besondere Weise in den Fokus rücken.

Die Geschäftsführung wünschte sich keinen langweiligen Reden-Marathon und nicht die wohlbekannte Steifheit, die allzu oft solche Veranstaltungen prägen, sondern eine lebendige und heitere, kurzweilige Veranstaltung, bei der die fast 470 Beschäftigten im Mittelpunkt stehen.

Natürlich waren die anwesenden Gäste zunächst irritiert, dass die Geschäftsführung nach der Eröffnungsmusik den Hausmeister bat, ihn beim Protokoll zu unterstützen, da der bestellte Moderator angeblich nicht gekommen war.

Karl-Heinz, anfangs noch etwas unsicher und schüchtern, nahm die Herausforderung an und fühlte sich nach und nach in der Rolle des Ersatzmoderators sichtlich wohler, wurde frecher, verwarf das Veranstaltungsprogramm, setzte eigene Ideen um und sorgte dafür, dass keinen Moment Langeweile aufkam.

Der Potsdamer Dialog ist eine seit 2007 jährlich durchgeführte Veranstaltung mit ca. 240 Teilnehmern und dient der Vernetzung der Akteure für Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz im Bundesdienst.

Als Ergänzung zur Moderation zusammen mit einer Kollegin schlüpfe ich einige Male in die Rolle des Hausmeisters Karl-Heinz.
Dieser reflektiert Themen auf seine eigene Weise und streut auch mal gerne Salz in offene Wunden; sprich: Er spricht wichtige Themen und Probleme an, um die das Management und auch Mitarbeiter gerne mal einen Bogen machen. Aber er greift – was wohl das Wichtigere ist – auch die konstruktiven Anregungen aus Vorträgen und Diskussionen auf und verstärkt damit den Lerneffekt.

Über viele Jahre habe ich mit einem Kollegen eine Großgruppenveranstaltung entwickelt und moderiert, die die Mitarbeiter von VW über den Produktentstehungsprozess informiert.

In dieser Veranstaltungsreihe wurden zur Überraschung der Teilnehmer auch „lebendige“ Folien gezeigt.

Diese Folien entpuppten sich als szenische Interventionen, die entsprechende Aspekte des Produktentstehungsprozesses auf besondere Art und Weise visualisierten und Problematiken zuspitzten. Ein Impuls dieser Art setzte bei Teilnehmern sehr viel mehr Gesprächslust frei als eine reine Vortragsmethode.

Eine andere Figur ist der „Zeitungsleser“. Er liest unterschiedliche Texte (die ich meist selbst schreibe) aus Zeitungen vor, die in irgend einer Weise ein anderes Licht auf das zu bearbeitende Thema werfen. Manchmal ist es auch eine Zeitung aus der Zukunft, die widerspiegelt, was aus dem aktuellen Prozess geworden ist; eine kleine Zeitreise, die manchmal Heiterkeit oder auch Verblüffung auslöst. – Hier auf dem 7. Kongress für Wirtschaftspsychologie 2008 in Fellbach bei Stuttgart.

2003 gestaltete ich mit der VW-Coaching und Partnern  zusammen eine Serie von fünf Großgruppenveranstaltungen mit insgesamt 800 Mitarbeitern und Führungskräften des Vertriebs von Volkswagen. Ausgangspunkt des Veränderungsprozesses war die neue GVO, die Gruppenfreistellungsverordnung. Auch die (Rück-) Besinnung auf die guten Werte bei VW und die Frage, wie passen wir diese an die Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld an, setzen diesen Prozess in Gang. Werte müssten schließlich gelebt werden und insofern sei prima, dass man sich quasi wieder auf sie besinne und nun versuche, sie neu zu beleben und überdies ein gutes Zeichen, dass VW eigentlich schon immer brauchbare Leitlinien gehabt habe – so äußerte sich sinngemäß der Vertriebs-Chef von Volkswagen. Natürlich müssten diese auch von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand. Diese Prüfung fand auch tatsächlich zuvor in einem kleinen Rollenspiel statt. Mehrere Theaterszenen lockerten die Arbeit immer wieder auf, wenn der ‚Blinde Passagier‘ auftrat, vom Schiffskoch üblicherweise mit Kartoffelschälen beauftragt, aber auch aus der Kapitänsbücherei mit Lesestoff versorgt. Er zog immer wieder Vergleiche zwischen dem aktuellen Veränderungsprozess bei VW und dem Denken und Verhalten berühmter Schiffscrews und ihrer Führungen.

Bei der Fusion von drei PSD-Banken in Süddeutschland von 2002 bis 2004 haben wir den Prozess nicht nur mit der Gestaltung und Moderation zahlreicher Großgruppenkonferenzen, sondern auch mit vielerlei szenischen Interventionen mit den Mitarbeitern unterstützt u.a. einer prägnanten Szenencollage mit Basler Masken und einem Film über die Fusion und deren Schwierigkeiten (Hochzeit zu dritt).

Die Figur „Hausmeister Karl-Heinz“ oder entsprechend „Pedell“ bei der Management Summerschool in der Schweiz bringt in mehreren szenischen Beiträgen Themen und Probleme auf seine sehr eigene Weise auf den Punkt. Entweder konfrontiert er die Teilnehmer mit einer ungewöhnlichen Perspektive oder legt seinen Finger in Wunden, sprich: Themen, die niemand so recht ansprechen möchte. Er spricht drei Sprachen: Deutsch, Hessisch und Tacheles. 
Als Methode und Instrument ist die szenische Intervention in der Lage, schnell auf neu aufkommende Aspekte zu reagieren, da die Auftritte der Figur nicht durchgeplant und Sprechtexte fertig vorformuliert sind, sondern der Darsteller der Figur auf der Grundlage eines Settings improvisiert. Verblüfft sind die Teilnehmer auch zumeist, wenn ich als Moderator der Veranstaltung plötzlich in einer vollkommen anderen Rolle auftrete.Auf einem Foto balanciert Karl-Heinz auf einem Tau, das von acht Menschen gehalten wird und demonstriert am Ende einer szenischen Intervention, wozu selbst er in der Lage ist, wenn Fokus und Energie (das Thema dieser Summerschool) richtig zusammengeführt werden.

 

Die Arbeit mit Basler Masken ermöglicht auf vielfältige Art und Weise Laien in theatrale Arbeit einzuführen. Dem zweiten Ich – der Maske – können all jene Sorgen, Ängste und Bedenken zugeschrieben werden, z.B. gibt es die „Blöde Maske“ die stoisch alle Vorgänge und Maßnahmen mit „Warum?“ in Frage stellt. – Das Bemühen des Gesprächspartners, jedes „Warum“ ernsthaft und sorgfältig zu beantworten, führt zu einer intensiven Durchdringung eines Prozesses oder eines Projektes. Im Alltag würde man sich kaum trauen, mehr als zwei- bis dreimal derart nachzufragen; die blöde Maske darf das. Ihr theatraler Status gibt ihr dieses Recht und er legt die Regel fest. Nach einigen Dutzend Warums landet man gewöhnlich in einer Redundanzschleife, dann ist die Befragung erschöpft. Beim Institut für Arbeit und Gesundheit in Dresden gestalte ich seit 2000 verschiedene Seminare zur Dozentenqualifizierung.

Bei der Einrichtung des Innovations-Managements bei Audi 1999 arbeitete ich mit den verantwortlichen Führungskräften das Thema theatral auf.

Beim Kick-off zum Start des Innovations-Managements präsentierte die Gruppe Manager ihre Szenen vor Belegschaft und Vorstand. Es kommt zum Aha-Erlebnis, das sowohl bereits etablierte Veränderungen bestätigt oder in Frage stellen kann oder Anstöße für neue Denkrichtungen geben kann. Das Publikum, Mitarbeiter und Vorstand, waren gleichermaßen überrascht vom Mut ihrer Kollegen, die Dinge theatral beim Namen zu nennen. Gleichzeitig schweißte der gemeinsame Auftritt die Projektgruppe enger zusammen und das theatrale „Du“ während des Inszenierungsprozesses behielt die gemischte Gruppe aus Führungskräften und Ingenieuren im weiteren Arbeitsprozess bei.

Weitere Infos und Bespiele unter http://list-rhetorik.de

Arbeitsfeld Großgruppen


Großgruppenveranstaltungen – Beispiele

Potsdamer Dialog 2012

   Gesundheitsmanagement im Vormarsch – knapp 300 Betriebsärzte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Führungskräfte und Personalverantwortliche, Mitarbeiter der Unfallkassen und Hauptpersonalräte vernetzen sich.

Es war mir ein Vergnügen, diese Veranstaltung mit zu moderieren.

Lars Ruppel würzte mit charmantem Esprit den Dialog der Vernetzung der verschiedenen Gruppen mit poetischer Kompetenz – am Ende verständigten sich fast alle in Reimen (na ja, nicht ganz), sogar unser Auftraggeber schloss die dreitägige Veranstaltung in Versen. Als kleine Abschiedsgeschenke gab es einige Postkarten mit Poesie, die auf dem Kongress entstand und die behandelten Themen ausschnitthaft reflektiert.

 

Mit der lebendigen Dramaturgie von congress in motion haben wir die Teilnehmer schnell in Kontakt gebracht und sie bei ihrer Vernetzung unterstützt.

 

Einmal im Kontakt ist es ein Leichtes auch offen über fachliche Themen und Probleme zu reden und sich auszutauschen, von eigenen erfolgreichen oder auch weniger erfolgreichen Projekten zu erzählen und um Rat und Hilfe zu bitten.

 

 

Der einsame Dichter verarbeitet seine ersten Impressionen und verblüfft und erheitert immer wieder zwischendurch mit seinen poetischen Interventionen.

 

Die Poetenstube wird zum Treffpunkt und zur Verseschmiede für alle ambitionierten Dichter des Kongresses. Und so ganz selbstverständlich werden wie nebenbei noch neue Kontakte geknüpft, heiße Themen diskutiert und Visionen für eine wirkungsvolle Präventionskampagne entwickelt.

 

Und immer wieder die Köpfe zusammenstecken und neue Ideen aushecken, wie wir die Teilnehmer aktivieren, motivieren und begeistern können, ihre eigenen Themen anzupacken, von tollen Erfahrungen zu berichten und sich auszutauschen.

 

 

 

 

 

 

Von Erfahrungen erzählen, Ideen austauschen, Anstöße geben – lebendige Vernetzung auf dem „Markplatz“; da wird das Motto des Kongresses greifbar: Bund vernetzt.

 

 

 

 

Am Ende glückliche Teilnehmer, zufriedene Moderatoren und Impulsgeber.

 Symposium „Inklusion“ 2011

Ich moderierte das Symposium des Pädagogisches Instituts München mit ca. 200 Teilnehmern (Lehr- und Erziehungskräfte aller Schularten aus München und Kindertageseinrichtungen) und brachte außerdem meine Theater-Kompetenz und mein Wissen über differenzierte, individualisierte Lernstrategien und -methoden ein.

http://www.mllv.bllv.de/1-2011-05-04_Paedagogisches_Institut.shtml

Lebenserfahrene und einfühlsame Referenten wie Andreas Müller (www.institut-beatenberg.ch) und Curd Michael Hockel (www.hockel.net),  über ein Dutzend Workshops hochkarätiger Fachmenschen, Filmpremiere „Almanya“ (www.almanya-film.de), Live-Dichtung mit dem deutschen Meister des PoetrySlam Lars Ruppel (www.larsruppel.de), Improtheater „Tat-Wort“ (www.tatwort.de)
und vieles mehr machten das Symposium zu einem herausragenden Impulsgeber zum Thema INKLUSION. 
Ein nachahmenswertes Modell für viele Bildungsbereiche. Der Ansprechpartner: Pädagogisches Institut München

Veränderungsprozesse mit allen Beteiligten in einem Raum zu starten und auch zu steuern hat viele Vorteile: Alle Betroffenen werden beteiligt, Kritiker  kommen zu Wort und Energie für den Veränderungsprozess wird freigesetzt. Hier starte ich einen Kulturprozess in 2007 mit 650 Mitarbeitern bei der Firma GETRAG im Ludwigsburger Schloss.

2010 habe ich ein weiteres Mal mit etwa 50 Prozessberatern  der Volkswagen AG einen Tag lang unter dem Motto „Lernen mit Hirn, Herz und Hand“ auf ihrem Jahrestreffen gearbeitet. Dabei ging es auch darum neue spielerische und theatrale Formen und Methoden in der Prozessberatung kennen zu lernen und auszuprobieren.

2005 erarbeitete ich im Rahmen eines Teamtrainings mit allen Betreibern des Audi-Forums Neckarsulm eine ähnliche Performance wie bei der Eröffnung des Audi-Forums in Ingolstadt im Jahr 2000 und führte sie in der großen Halle zur Eröffnung auf.

220 bayerische SchulpsychologInnen trafen sich 2003 einige Tage in Dillingen und berieten über ihre Zukunft. Wir entwickelten ein abwechslungsreiches Kongressdesign und nutzen Verfahren wie Open-space und weitere, die die TeilnehmerInnen in vielfältige Formen der Zusammenarbeit brachte.

Die Management Summerschool war ab 2002 über Jahre ein Objekt der Begierde: Jede Führungskraft wollte gerne diese Woche dabei sein, wenn an einem schönen Ort in der Schweiz, z.B. am Vierwaldstädter See 100 Manager der Baloise zusammenkamen und in einem von uns entwickelten abwechslungsreichen Kongressdesign hochkarätigen Dozenten der St. Gallener Universität lauschten, mit selbstgebauten Fahrzeugen Windenergie auf die Straße brachten, vom CEO die neusten Infos erfuhren und mit ihm die Strategie für die nächsten Jahre diskutierten (bis tief in die Nacht), unter sachkundiger Anleitung ein Musikstück einstudierten und vieles mehr. – Lernen mit allen Sinnen. Die Summerschool wurde mit der Zeit zu einem wirkungsvollen  Führungsinstrument des Konzerns, von dem wichtige Impulse für das ganze Unternehmen ausgingen, tatkräftig unterstützt natürlich von einem Pedell, der bereits nach der ersten Summerschool als Seele der Veranstaltung bezeichnet wurde – sicher mit einem Augenzwinkern.

Vorbereitungen zur Eröffnung des Audi-Forums in Ingolstadt im Jahr 2000. 260 Mitarbeiter von sieben betreuenden Unternehmen des Forums beschließen einen Tag Teamtraining mit einer Klang-Performance über fünf Stockwerke, in der ich u.a. mit der ganzen Gruppe das Motto „Wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt.“ in einer Klangperformance hörbar gemacht habe.

Voraussetzung für ein lebendiges Design einer Großveranstaltung ist  eine abwechslungsreiche Dramaturgie mit vielen interaktiven Phasen in wechselnden Zusammensetzungen. Da macht das Lernen einfach Spaß.

Kurzfilm zur Arbeitsweise in Großgruppen.

 

Arbeitsfeld Literatur

Seit 1990 führe ich Schreibwerkstätten zu den Themen
kreatives und autobiografisches Schreiben durch,
coache Autoren,
berate beim Schreiben,
biete individuelle Schreibtrainings an,
helfe bei der Verlagssuche
und biete Unterstützung rund ums Schreiben und Publizieren.
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Ich sammle Alltagssplitter;
kleine interessante Begebenheiten.
Daraus mache ich Texte,
und manchmal zeichne ich.

 

Kurzprosa – Beispiele aus meiner Sammlung:

 

Von Teufeln und anderen Engeln – Schwarzes und Weißes aus dem Alltag



Prolog im Himmel

Der Kaffee war dünn, das Rührei angetrocknet und der Toast kam zu spät.

Der Teufel war gerade von der Nachtschicht zurück gekommen. Dass er sich auf’s Frühstück freute, konnte man nicht sagen.

Missmutig schlabberte er am lauen Kaffee und kratzte sich am Steiß. Die beiden Engel mittleren Alters, die ihm gegenüber saßen, schauten sich pikiert an.

Meist mied es der Teufel, an einem bereits besetzten Tisch Platz zu nehmen, aber heute morgen hatte er keinen freien Tisch mehr gefunden.

Er hasste es, insbesondere nach langen erfolglosen Nachtschichten, auch noch Konversation pflegen zu müssen.

„Na, wie war die Arbeit, schwarzer Bruder?“ flötete es ihm entgegen.

Er konnte die Anteil nehmende Art dieser Engel nicht ausstehen, aber er wusste, dass er dem kaum etwas entgegen zu setzen hatte.

„Fuck you!“ knirschte er zwischen seinen gelben Schneidezähnen hervor.
„Pardon?!“ die Engel hatten natürlich gut verstanden, signalisierten aber deutlich, dass sie auf seine Schmähung nicht eingehen wollten, „wo drückt denn der Schuh?“

Nun war der Punkt gekommen, an dem er am liebsten auf das Frühstück verzichtet hätte, zumindest in dieser Gesellschaft. Die Gemeinheit dieser Engel war geradezu himmelschreiend. Wussten sie doch sehr genau, welche Probleme er hatte, seinen missratenen Fuß zu kaschieren, um in menschlicher Gesellschaft nicht aufzufallen. Von seinen Ausstattern waren eine ganze Reihe entlassen worden. Er konnte jetzt nur noch auf unqualifiziertes Personal zurückgreifen.

Als suspendierter Engel unterlag er immer noch HERRlicher Budgetierung, insofern war auch er betroffen von den zur Zeit massiven himmlischen Einsparungen. Seine Umhänge wurden zu knapp geschnitten, und seine Hosen kniffen im Schritt. Am schmerzlichsten empfand er aber den Verlust seines Schuhmachers mit orthopädischer Zusatzausbildung. Der verstand es noch, seinen verräterischen Fuß so geschickt in ein der entsprechenden Mode angepasstes Beinkleid zu hüllen, dass ihn einmal sogar Petrus am Tor nicht erkannt hatte. Jetzt musste er sich schon seit vielen Jahren auf Plateau-Sohlen herumplagen, und es war ihm nur ein schwacher Trost, dass diese Art Schuhe im Moment bei den Menschen wieder en vogue waren, was ihm die Arbeit nur partiell erleichterte.

Viel schlimmer war etwas Grundsätzliches: die Menschen taten sich in letzter Zeit immer öfter selbst das an, wozu er doch eigentlich berufen war, von IHM persönlich, dessen Namen er nicht aussprechen konnte und bei dem Gedanken an IHN sich ein Brechreiz einstellte. Wozu war er noch nütze, wenn sich schon Kinder Schuhwerk von solcher Lächerlichkeit anzogen, wie er es – gezwungenermaßen – aus beruflichen Gründen tragen muss.

Er erinnerte sich noch an vergangene Tage, da hatte er es mühelos geschafft, eine Gruppe Kinder anzustiften, einem anderen Kind, das wegen verkrüppelter Beine globiges orthopädisches Schuhwerk tragen musste, Steine hinterher zu werfen. Und heute? Überall nehmen die Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand und machen ihn überflüssig.

Ein ehrwürdiger alter Herr wehte mit rauschendem Gewand am Tisch vorbei.

Dem Teufel wurde schlecht.

            So wird es auch am Ende ausgehen.
Die Engel werden ausgehen und die Teufel nicht.
Sie werfen die Feuerofen an, und lassen sie nicht ausgehen.

Sie backen schlechte Pizza darin.
Da wird Heulen und Zähneklappern sein.

Daheimgeblieben
Schon seit vielen Jahren hatte sie sich vorgenommen, einmal den Sommer auf der eigenen Loggia zu verbringen. Es war dieser gemütliche Freisitz gewesen, der sie damals, nach dem Tod ihres Mannes, veranlasste, die eigentlich etwas zu kleine Wohnung anzumieten.

Nicht Prospekte wälzen, in den Reisebüros anstehen und in letzter Minute Koffer packen müssen. Keine Diafilme verknipsen, um nachher zu beweisen, dass und wo man überall war. Einfach und souverän auf die Frage „Und wo warst du im Urlaub?“ antworten: „Zu Hause.“ Und lächeln.

Einmal nicht nach Hause kommen und mit blutendem Herzen die Schalen mit vertrockneten Geranien in den Müllschlucker kippen, sondern die im Frühjahr mit Liebe, Sorgfalt und etwas zu viel Dünger eingetopften Lobelien, Primeln und Pelargonien zu vollendeter Blüte pflegen, sich berauschen am Duft des kleinen Jasminstrauches (Spezialzüchtung für Stadtbalkone) und sich nachmittagelang kuscheln in einer von Pflanzen wind.- und blickgeschützten Balkonecke gleich neben der Tür mit Tee, Gebäck und Lektüre bis zum Einschlummern.

Neun bis zwölf Meter – so der nette Verkäufer in der Gärtnerei – solle die neue Spezialzüchtung unter guten Bedingungen pro Sommer wachsen. Der Polygonum aubertii celastrus orbiculatus, eine Kreuzung aus Knöterich und gemeinem Baumwürger. Unter Stadtbalkonbedingungen, also Smog, zu kleinem Topf und meist schwankenden Wassergaben immerhin noch Dreikommafünf bis Vierkommafünf Meter pro Wachstumsphase.

Sie hatte sich beim Kauf noch ein Päckchen hochdosierten Spezialdünger in die Tüte stecken lassen, begleitet von skeptischen Blicken des Fachverkäufers.

Der Polygonum aubertii celastrus orbiculatus bildet tentakelförmige, vielfach sich verzweigende Triebe, die sich durch ständiges langsames Drehen um die eigene Achse, etwa fünf-, sechsmal in der Stunde, einen Halt zum Klettern suchen. Eine Schlingpflanze von äußerster Vitalität, gepaart mit kräftigem und schnellem Wachstum.

Nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Tätigkeit beendet hatte, erhielten die Angehörigen von der Geschäftsführung des Bestattungsinstitutes – mit einem Ausdruck des Bedauerns – eine Rechnung mit einem Extraposten über zweihundertfünfundneunzig Euro;
für derartige Fälle seien sie eigentlich gar nicht ausgerüstet, und sie hätten sich erst entsprechendes gärtnerisches Werkzeug entleihen müssen.

 

Spielplatz
Die zwei Jungen im Alter zwischen sieben und neun stehen im hinteren Bereich des Spielplatzes, dort wo noch Wiese ist, unter alten Kastanien.

Der ältere hat die Arme hoch vor der Brust verschränkt, den Oberkörper etwas nach hinten gedehnt und schaut zu.

Der jüngere bewegt sich meist ruckartig die Gliedmaßen merkwürdig verrenkend. Er scheint behindert zu sein, denke ich. Jetzt hält er inne und steht seltsam verdreht wie eine moderne Plastik.

Nun bewegt sich auch der zweite Junge auf ähnliche Weise und manche Stellungen, die sie zueinander einnehmen und vermutlich zufällig entstehen, erinnern entfernt an ein Tanzpaar.

Ich gehe neugierig unauffällig näher und verstehe einzelne Wörter und Satzfetzen: … Todeskralle … zerquetscht … Kung-fu … Bruce Lee …

Die helle Mittagssonne konturiert durch die alten Kastanien ein gebrochenes Halbschattengeflecht auf den beiden Kämpfern, das verstärkt das Stakkato ihrer Bewegungen.

Etwas unbeholfen bewegen sie sich umeinander, Fauststöße und Fußtritte andeutend, immer auf deutlicher Distanz. Nach einer Weile erstarrt der Kleine in seiner Bewegung, verdreht die Augen und fällt langsam rücklings steif um.

Der Große freudig: Tot!

 

Unverdorben
Zwei Kinder
stehen am Straßenrand,
ein Junge und
ein Mädchen.

Sie strecken
den vorbeifahrenden Autofahrern
ihre Zungen heraus
und zeigen ihre Stinkefinger.

Ein Autofahrer erkennt
zunächst nicht
die provozierenden Gesten
und winkt –
in freundlicher Absicht.

Die Kinder
winken
zurück.

 

Einschlafen

Wer war der erste Mensch?
Wie lange werde ich leben?
Was passiert nach dem Tod?  …

Der Vater hatte seit Wochen den bohrenden Fragen seiner viereinhalbjährigen Tochter zugehört.
Jeden Abend, wenn er sie ins Bett gebracht hatte.
Er hatte versucht, alle Fragen, so gut er konnte, zu beantworten.

Der aufgeklärte Vater wusste, dass man Kinderfragen immer ernst nehmen und beantworten muss.
Eine, zwei unbeantwortete Fragen bargen die Gefahr in sich, dass das Kind  nicht mehr fragen würde.
Aber die Tochter konnte immer schlechter einschlafen.
Weil jede Antwort neue Fragen aufwarf.

Jetzt beantwortet er keine Fragen mehr, abends, vor dem Einschlafen. Aus der Ratlosigkeit half ihm die Nähe zu seiner Tochter. Er krabbelt ihr nun eine Weile, so lange die Spieluhr läuft, mit der einen Hand sanft den Rücken, genau zwischen den beiden Schulterblättern, sie hält solange zärtlich den Daumen seiner anderen Hand fest.

Jetzt schläft sie abends sehr entspannt ein.

Sie hat nicht aufgehört zu fragen, tagsüber.

 

 

Düne 1
Es war am vierten Tag. Man konnte zuerst nichts hören; der Wind blies aus der falschen Richtung. Anfangs war es nur ein dunkler Punkt am Horizont, der sich langsam teilte wie eine Eizelle. Die beiden Punkte hatten noch keine Farbe, denn die Sonne kam aus ihrer Richtung. Sie kamen näher und ihre Umrisse verloren ihre Weichheit, bildeten Kanten und Ecken. Sie mussten sich ziemlich genau auf der Wasserlinie bewegen, nicht schnell und auch nicht langsam, so als ob sie etwas suchten. Nun konnte man sie auch hören und das Orangerot war allzu bekannt:

Die Strandreinigungsfahrzeuge der Kurverwaltung.


Düne 2
Es war am vierten Tag. Man konnte zuerst nichts hören; der Wind blies aus der falschen Richtung. Anfangs war es nur ein dunkler Punkt am Horizont, der sich langsam teilte wie eine Eizelle. Die beiden Punkte hatten noch keine Farbe, denn die Sonne kam aus ihrer Richtung. Sie kamen näher und ihre Umrisse verloren ihre Weichheit, bildeten Kanten und Ecken. Sie mussten sich ziemlich genau auf der Wasserlinie bewegen, nicht schnell und auch nicht langsam, so als ob sie etwas suchten.

Dann drehten sie gleichzeitig wie im Zeitlupenballett nach rechts und fuhren nun dicht nebeneinander. Schon sprangen einige Sommergäste schreiend aus den Strandkörben, denen die beiden Räumfahrzeuge bedrohlich nahegekommen waren. Jetzt schoben sie mühelos Reihe für Reihe zusammen. Menschenleiber wirbelten durch die Luft und wie Kinder einen Schneemann rollen, so rollten die Bulldozer nun einen größer werdenden Knäuel splitternder Strandkörbe vor sich her. Das ganze dauerte nicht sehr lange.

Die Abgaswolken der schweren Dieselmotoren lösten sich langsam auf. Zwei Möwen kreischten am Himmel und landeten auf einem scheinbar unberührten Strand.

 

Macht nix
Macht nix hatte gerade eine wilde Hatz hinter sich – Herrchen begegnete ihm dann meist erst wieder auf dem Rückweg – über die Stadtparkwiese, am Bach entlang, quer durch die Schrebergärten, über das angrenzende Stoppelfeld; immer diese Witterung in der Nase, mal stärker, mal schwächer.

Hörst du nicht lag neben der Parkbank am Rand der Stadtparkwiese in der Nachmittagssonne und döste. Sein Herrchen sonnte sich ein wenig. Hörst du nicht bekam einen schwachen Geruch in die Nase, der aber reichte, ihn schlagartig hellwach zu machen.

Mach schön kam langsam angetrottet, diesen Baum erkennend, jenen Papierkorbhalter begutachtend. Frauchen führte ihn an der langen Rollleine. Plötzlich stieg ihm der Duft von Hörst du nicht in die Nase, im selben Moment war dieser schon über ihm. –

Macht nix hatte inzwischen die Spur verloren und kam in leichtem Hickelgalopp zurück Richtung Appartementhäuser am Stadtpark.

Hörst du nicht und Mach schön hatten sich mittlerweile zu einem staubigen Fell-Klumpen verknotet, um sie herum einige Zweibeiner in eine Art Eiertanz.

Macht nix bekam eine frische Witterung in die Nase. Das war mehr als ein Ersatz für die verlorene Spur. Heiß-erregt stürzte sich Macht nix in den Knäuel von Hörst-du-mach-nicht-schön. Schon hatte er ein Ohr im Fang, aber leider jemand ihn auch an der Lefze. Au tat das weh! Jetzt hatte er einen an der Kehle. Wer zog ihn da an den Hinterläufen weg? Eine blitzartige Wendung und Biss in weiches Männerbeinfleisch.

„Hörst du nicht“, brüllte einer.

„Der macht nix“, entschuldigte sich ein anderer.

„Mach schön“, flüsterte eine dritte.

 

Kleinfamilie
In der letzten Stuhlreihe in Gangnähe sitzt eine junge Kleinfamilie.
Ganz links am Rand der Sohn – etwa sechs,
in der Mitte die Mutter – ausnehmend hübsch,
rechts daneben der Vater – im Dienstanzug des gehobenen Managments.

Auf der großen Bürgerhausbühne müht sich eine kleine dicke Grundschulmutter
in der Rolle des Räubers Hotzenplotz.
Die vielen Kinder im Saal danken es ihr mit Ruhe und Aufmerksamkeit.

Der sechsjährige Junge lugt durch den Mittelgang zur Bühne,
seine Mutter stellt sich,
um besser sehen zu können,
dabei geraten ihr graues Wollminiröckchen und ihre grauen Wollleggins
ins Blickfeld ihres Mannes.

Die Hand des Vaters,
vorher auf der Stuhllehne der Mutter abgelegt,
wandert wie automatisch in ihre rechte Kniebeuge
und streicht dort mit den Fingerspitzen
zärtlich auf und ab.

Die Mutter reagiert nicht.

Nach einer Weile setzt sie sich wieder
und streicht ihm
von hinten liebevoll
durch die Haare,
ihrem Sohn,
dem Kind
ihrer gemeinsamen Liebe.

 

Vorurteil
Seine Frau huschte nur schnell in die Apotheke.
Er war ausgestiegen und schlenderte ein paar Schritte über den wenig besuchten Bezahl-Parkplatz, die Frühjahrssonne genießend.

„Was machst du mit meinem Auto? Verschwinde!“ herrschte ihn ein türkischer Opa an.

Erschrocken drehte sich der elegant gekleidete Deutsche um und musterte den aggressiv blitzenden alten Mann in schlecht sitzendem grauen Einreiher.

„Was guggst du mein Auto? Hau ab!“ drohte er nochmals, jetzt mit seinem Krückstock.

Der Angesprochene entdeckte nicht unweit einen nahezu schrottreifen alten Benz 200 in ehemals roter Farbe und fragte zurück: „Warum duzen Sie mich?“

Verdutzt antwortete der alte Türke: „Ich hol Polizei!“, und tippte auf seinem Handy herum.

Binnen Sekunden kamen zwei weitere, ältere Türken.

Der Deutsche wollte nur in der Sonne stehen, der Türke „seinen“ Machtbereich sichern.

Kulturbruch.

Die alte Amme Kultur hat sich einen Bruch gehoben,
 als sie den Menschen zur Welt brachte.

 

 

Kleider machen Leute
Es ist 21:50 Uhr. Alle Tische im Speisewagen des ICE Ulm-Frankfurt sind besetzt. Ab und zu heben sich verständliche Wörter und Satzfragmente aus dem allgemeinen Gemurmel der Tischgäste und dem gedämpft metallischen Zischen des Zuggeräusches heraus.

Mein Begleiter und ich haben an einem Zweiertisch Platz genommen. Wir ordern zwei Cappucino bei der einzigen Bedienung des Speisewagens. Sie ist hübsch, aber das Livree-Westchen ist für ihre Größe ein wenig zu lang geschnitten; das gedeckte Aubergin steht ihr gut.

Uns schräg gegenüber an einem Vierertisch sitzen sich zwei junge Männer an der Fensterseite gegenüber, die beiden Stühle neben ihnen sind frei. Sie sprechen angeregt in kurzer Wechselrede so gedämpft miteinander, dass auf die kurze Distanz zu uns nichts zu verstehen ist. Trotz der intensiven Gesprächsführung unserer Tischnachbarn fällt mir auf, dass der uns zugewandt sitzende ungewöhnlich oft versucht, Blickkontakt zu anderen Fahrgästen herzustellen.

Beide Männer, solargebräunt und hairgestylt, tragen dunkle Bügelfaltenhosen mit Umschlag, schwarze gepflegte Schuhe und tadellose modische weiße Hemden. Das Hemd des uns zugewandten ist ein Hauch blusiger geschnitten und wird kontrastiert von einem eng anliegenden schwarzen ärmellosen Westchen mit dezenter ebenfalls schwarzer Wildlederapplikation. Die Golduhr am schweren Gliederarmband wirkt an seinem schmalen Handgelenk ein bisschen zu dominant, fügt sich aber ins Arrangement, zu dem noch ein weniger auffälliges feingliedriges Halskettchen ohne Anhänger und eine Art Siegelring am Mittelfinger der linken Hand gehören, alles in weichfarbenem Rotgold.

Er steht auf, in seinem Gesicht der suchende Blick nach der Toilette, wobei das Knitter- und Faltenwurfverhalten seiner Hose auf einen recht hohen Seidenanteil schließen läßt. Schon halb im Stehen schiebt er sein iPad in Lederhülle auf dem Tisch ein wenig in Richtung seines Gesprächspartners, sein iPhone steckt er in seine Hosentasche.

Kaum hat sich die Automatiktür des Speisewagens hinter ihm geschlossen, öffnet diese sich wieder und sichtbar wird eine grauhaarige untersetzte Frau um die 50, blassgrüner altmodischer Trench, einen Koffer links, schwere Reisetasche rechts, Handtasche am langen Riemen um den Hals. Mit ruckartiger Blickführung checkt sie den Speisewagen nach einem freien Platz ab, fixiert den Vierertisch in unserer Nähe, steuert zielstrebig darauf zu, platziert ihr sperriges Gepäck direkt neben Tisch und Stuhl und nimmt gruß- und fraglos auf dem noch warmen Stuhl Platz, um hektisch ihrer Umhängetasche, die sie auf dem Schoß behält, ein Paperback zu entnehmen und fast ebenso ruckartig ihre Nase tief ins geöffnete Buch zu stecken, als gelte es einen ihm entweichenden Geruch zu inhalieren, bevor er sich im Raum verflüchtigt.

Der ihr gegenüber sitzende junge Mann wirkt verblüfft, hat sich im Oberkörper drehend etwas zurück gebeugt und hält aufmerksam inne, die Brauen kaum sichtbar angehoben.

Mit dezentem Druckluftgeräusch öffnet sich wieder die Abteiltür zum Speisewagen und der zweite junge Mann in schwarz-weiß betritt wieder die Szene. Noch gedankenverloren steuert er seinen Platz an und findet ihn besetzt. Ein wenig unschlüssig bleibt er am Tisch stehen, schaut sich um und dann auf seine goldene Armbanduhr, die ihm wohl mitteilt, das sein Zielbahnhof nicht mehr sehr weit ist und sich die Frage stellt … Noch während er in diese Problematik verstrickt zögerlich dicht am Tisch steht, geht ein Ruck durch die Frau, sie blickt auf zu dem Dandy, ihre Lektüre weiter gebetbuchartig vor der Brust haltend, und fragt ihn überraschend laut: „Haben Sie eine Speisenkarte?“

 

Pool-Kreaturen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

Die Parabel vom Hai und dem Frosch
„Hi!“ sagte die Kaulquappe zu dem Hai, der wieder mal unter ihr hindurch schwamm. Der Hai zog gradlinig und zielstrebig seine Bahn.

Tage später kam der Hai wieder an der Kaulquappe vorbei.
„Hi“ grüßte sie wieder den vorbei schwimmenden Hai.

Dem neugierigen Hai war natürlich nicht entgangen, dass die Quappe mittlerweile 4 kleine Füßchen bekommen hatte. Aber er mochte ihren Gruß von oben herab nicht erwidern, und er ließ sich auch diesmal nicht von seinem Weg abbringen.

Einige weitere Tage später trafen sich der Hai und die mittlerweile zum Frosch gewandelte Quappe wieder.

„Wohin des Wegs?“, sprach der Frosch nun selbstbewusst den Hai an, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Zunächst wollte dieser nicht auf den kleinen grünen Mitbewohner des Gewässers reagieren. Da der junge Frosch ihn aber etwas gefragt hatte, entschloss er sich nicht unhöflich zu sein, schwamm eine elegante Schleife und kehrte zu ihm zurück.

„Was gibt’s?“, fragte der Hai schräg zum Frosch hinauf.

„Oooch …“ sagte der Frosch ein bisschen verlegen, „nichts Besonderes. Mir ist etwas langweilig. Da wollte ich einfach mal wissen, was du so treibst.“

Der Hai umkreiste interessiert den zappelnden Frosch.

„Ich wollte mal in der Seehundsbucht vorbeischauen.“ antwortete der Hai. „Es ist wegen meines Energiehaushaltes.“

„Sag mal …“ begann nun der Frosch, ohne auf die Anwort des Hais weiter einzugehen, „wie alt bist du eigentlich?“

Das Interesse des Hais erwachte nun, und er fragte sich, was dieser grüne Zeitgenosse wohl im Schilde führte und antwortete spitzfindig: „Nun, es werden wohl an die 2 bis 3 Millionen Jahre sein.“

„Doch so alt schon!“ tat die Quappe erstaunt, „du hast dich aber überhaupt nicht verändert.“

„Tja, wir gehören zu den ältesten Spezies überhaupt.“ warf sich der Hai ein wenig stolz in die Brust. „Und dass wir uns nicht verändert haben, oder ich sollte wohl besser sagen, nur soviel verändert haben, wie es die Umstände erforderten, gibt uns ja wohl recht.“

„Ach was!“ fiel die Quappe dem philosophierenden Hai ins Wort. Ihr schlüpft aus dem Ei und bleibt dann auch das ganze Leben immer so, wie ihr schon am Anfang wart.

„Wir …“ und dabei sah er den Hai von oben herab an, „wir verändern uns ja ständig. Zuerst sind wir Fisch, euch noch ein wenig ähnlich, dann bekommen wir Beine, und dann steigen wir aus dem Wasser ans Land und machen was aus uns. Und ich habe das Gefühl, es steckt noch mehr in mir.“

Solch eitler Rede überdrüssig verabschiedete sich der Hai von seinem grünen Gesprächspartner mit den Worten: „Na dann, mein kleiner ehrgeiziger Freund, mach was aus dir. Nur Mut, und … sei kein Frosch.“

und schwamm zielstrebig weiter.

Der Frosch kletterte an Land, noch trunken von seiner eigenen Rede und der Aufforderung des Hais „Mach was aus dir!“ und „Sei kein Frosch!“, dass er nur dunkel wahrnahm, wie eine Prinzessin ihn ergriff, ihn einen Moment betrachtete, etwas Unverständliches murmelte und ihn dann an die Außenmauer ihres Wasserschlosses warf.



 

 

 

 

 

Warnhinweis!
Wer  weiterhin gerne ins Hallenbad gehen möchte und zart besaitet ist,
sollte den folgenden Text nicht lesen.

Schwimmbad
In Schwimmbädern passiert das, was sonst nur noch draußen in der Luft passiert. Alle kommen über ein Medium mit allen in Berührung.

Dieselbe Luft die das Huhn atmet, atmet der Mensch. Und die Luft, die sich vor kurzem noch in den Lungen eines Sterbenden befand und dort das Kohlendioxid aufnahm, dieselbe Luft wird jetzt von einem Esel eingesogen und anschließend an ein Baby weitergegeben. Auch die Pflanzen nehmen an diesem Austausch teil.

Aber diese Luft reinigt sich immer soweit, dass sie nicht mehr riecht. Oder haben sie sich schon einmal bei dem Gedanken geekelt, die Luft in den Mund zu nehmen und in die Lungen zu saugen, die vor nicht allzu langer Zeit aus einem Schweinearsch entwichen ist? Sicher nicht. Und sie werden auch das Atmen nicht einstellen, wenn ihnen klar wird, dass die Luft, mit der gerade ein sabbernder Rottweiler seinen Maulschleim verspritzt, anschließend an ihren zart rosafarbenen Alveolen entlang streicht.

Mit dem Wasser in Hallenbädern ist das ähnlich.

Jedes Molekül Wasser des Beckens kann überall gewesen sein. Was mir gerade in den Mund schwabt, kann kurz vorher das Ohrenschmalz einer Blondine aufgeweicht haben, und was mir durch die Haare rinnt, hat vor wenigen Minuten noch die Sackhaare eines Rentners umspült.

Auch hier sind sich die Kreaturen sehr nahe. Aber immer hängt der gleiche Geruch in Luft und Nase. Nach dem Baden, beim Abtrocknen und Anziehen noch stärker als während des Bades, und die Handtücher hinterher allemal: Es riecht irgendwie nach Sperma, immer nur nach Sperma. Achten sie mal bei ihrem nächsten Besuch eines Hallenbades darauf.

Wie mag dieser Geruch entstehen? Es ist kaum denkbar, dass wirkliches Sperma die Ursache für diesen Geruch ist. Oder sind es doch die vielen ungewaschenen männlichen Geschlechtsteile, die hier gewässert werden und von Natur aus einen spermaähnlichen Geruch verströmen, wenn man sie lange genug nicht wäscht. Angeblich badet ja ein großer Teil der Deutschen nur einmal in der Woche – und dann vielleicht samstags im Hallenbad?

Oder ist es eine spezifische Kombination von Badewasser, diversen Zusätzen wie Chlor und Ozon und die exotische Mischung der unterschiedlichsten Shampoo-, Körperlotion-, Seifen-Reste; Schweiß-, Eiter-,  und sonstigen Körperausflüssen, die diesen typischen Hallenbad-Geruch erzeugen?

Undenkbar, dass ein heimlich ins Badewasser onanierenden 13-Jähriger so eine starke Duftmarke setzen könnte. Oder doch? Wenn nun dieser Fingerhut Samen in dem Badewasser exakt auf ein Medium träfe, das in idealer Weise im Stande wäre, genau die Geruchspartikel dieses Männer-Ausflusses zu verstärken. Begegnen sich hier zwei Ur-Suppen, verschmelzen miteinander?
Menschbrühe erhält mit dem Fond homo sapiens seine letzte Würze.

Interessant wäre es, hierzu die Meinung eines Kannibalen zu hören.

 

Das Spiel mit den silbernen Kugeln
Einen Kleiderzwang gibt es nicht bei diesem gesellschaftlichen Ereignis. Dem unbedarften Betrachter erschließen sich ohnehin kaum irgendwelche Konventionen bei diesem Spiel, außer den eigentlichen Regeln des Spiels mit den silbernen Kugeln.

Da steht der Kettenraucher, ständig die verglimmende Gauloises sans filtre unter der Nase, zwischen dem Feldwebel der Fremdenlegion (wenigstens der Haltung nach) und dem Opa, der sich am Morgen tapfer geweigert hat von Oma fertig anziehen zu lassen und so in heller Bügelfaltenhose, gleichfarbener Knick-Knatterton-Mütze, quergestreiftem hochgeschlossenem Polo-Shirt und Hosenträgern, aber ohne Sakko oder Windbluse das Geschehen verfolgt.

Die Kommentare fließen wie die Kugeln rollen, selten unterbrochen von einem „Ah, bien!“ oder einem eher gezischten „Merde!“ oder einem „Uiuiuiuiui!“, wenn ein besonders forscher Wurf die Kugeln durcheinander schlägt.

Der Gauloises-Lutscher schnappt wie ein Zackenbarsch.

Das magnetische Aufhebseilchen für die Kugeln stilisiert einen anderen zum Hammerwerfer.

Mit seinem Gichtarm wird der grand-papa aber keine Blumentopf mehr gewinnen.

Tapsend, fast tänzelnd aber nicht torkelnd bewegt er sich an die Abwurflinie. Er benutzt den anderen Arm. Bemerkenswert sicher und ruhig visiert er, der Wurf verhalten, sein Silberling rollt ganz nah an die kleine rote Kugel heran, näher als alle anderen.

Dem Gauloise-Lutscher fällt die Asche runter, der Asche-Stängel kalbt wie ein Mini-Gletscher und hinterläßt eine schmale graue Endmoräne auf seinem magentafarbenen Freizeithemd.

 

„Noa, Kloanes!“
Vor dem Zentral-Bahnhof Bregenz steht im Halteverbot ein kleiner roter Flitzer;
lässig angelehnt ein kleinwüchsiger Schwarz-Belederter, goldverkettet, haarbalsamiert.

Die messingbeschlagene Schwingtür des Bahnhofs schlägt außen an.

Ihre Pumps harken den Asphalt des Vorplatzes;
ihr Busen wogt schwer, auch in schwarzes Leder gegürtet.

Er sieht sie, richtet sich auf und plustert die wattierten Schultern.

Sie stakst zielstrebig auf ihn zu.

Er: „Noa, Kloanes!“

Sie beugt sich zu ihm herab und küßt ihn auf die Stirn.

 

Splitter
Vier Mini-Dramen

 

 

 


1. Zu lang
Sie: Haste an die Zuckinisame gedacht?
Er:  Ich hab noch zwei Tütchen vom letzte Jahr.
Sie: Meinste der is noch gut?
Er:  Der hält sich doch.
Sie: Ich mein ja bloß. Wo mer grad da sin.
Er:  Ein neue Hackestiel bräucht ich. – Von Gardena.
Sie: So ein hammer doch.
Er:  Ja, aber der is so kurz. Da tut mer immer de Rücke so weh. –
Sucht im Regal.
Hier sin se.
Ergreift einen langen Stiel. Stößt einen anderen Kunden damit
        ins Kreuz.
        Tschuldigung!
Sie:  Der is zu lang. – Dademit kannste aach net im Gewächshäussche arbeite.
Er:  Stellt ihn wieder zurück und nimmt einen kürzeren.
       Der is aber auch zu kurz. –
Sie: Ach mach doch, was de willst. –
Er:   Mach ich aach …

2. Schub is geil
Pilot:      Wieviel Minuten bis Checkpoint?
Kopilot: Three-zero minutes.
Pilot:      Die Zeit reicht. – Höhe?
Kopilot:  Six-six-zero-zero. –
Gehn wir nochmal runter?
Pilot:      Klar. – Auf gehts!
Kopilot:  Voller Schub!

3. Letzter Versuch
Junge 1: Guck mal!
Junge 2: Mensch, wo hast’n die her?
Junge 1: Vom Flohmarkt.
Junge 2: Lass mich auch mal.
Junge 1: Hier. Die hat ne mords Durchschlagskraft. … –
Er zielt.
Junge 2: – Vorbei.
Junge 1: Jetzt ich. … – Haste gesehn? Haarscharf vorbei.
Junge 2: Genau.
Junge 1: Machs doch besser.
Junge 2: Gib her!
Junge 1: Letzter Versuch.

4. Wut
Mann 1: Is mir schlecht.
Mann 2: Siehste, verträgst doch nix.
Mann 1: Moin mach ich blau.
Mann 2: Des tät ich net.
Mann 1: Ich schaff des net.
Mann 2: Ja ja, erst saufe und dann net schaffe könne. Des sin mir die richtige.
Mann 1: Kotzt an einen Straßenbaum.
Mann 2: Haha! Taxi! Ham se noch Platz fürn Kaste Bier un e Pizza? Taxifahrer: Ja.
Kunde: Uuuuääächchch!
Mann 1: Zwischen zwei Schüben.
              Find ich gar net witzig.
Mann 2: Bei uns in de Abteilung ham se 25 entlasse,
einer war schon über 10 Jahr in de Firma.
Er pinkelt in eine Hofeinfahrt.
Mann 1: Sauerei.
Mann 2: Was willst’n mache? –
Mann 1: – Saubagaasch!
Er hebt einen Stein auf.

 

Unheimliche Begegnung
Es war am Rhein. Allein ging ich spazieren. Am Ufer.

Ich konnte nicht schlafen. Die Promenade dicht bewachsen. Mit Kastanien.

Obwohl der Abstand zwischen den Bäumen links größer wurde,
wurde es eine Nuance dunkler. Dunkelheit allein ängstigt mich schon.

Ich beschleunigte meinen Schritt. Willenlos. Der Schatten tat es mir nach.

Ich blieb abrupt stehen: Wahrnehmungskontrolle.

Ich ahnte, d.h., ich wusste, was geschehen wird. Jetzt wollte ich nur noch wissen, zerfleischt es mich gleich oder werde ich erst noch gefoltert.

Es fauchte nicht, es zischte nicht und es heulte nicht.
Auch hatte es keine glühenden Augen. Aber groß war es. Viel größer als ich.
Ich zwang meinen Kopf gegen die psychosomatische Sperre einen Ruck nach links. Nein, der Wendigo war es nicht; keine schwarze Zunge und keine geschwungenen Hörner statt Ohren. Aber fest geschlossene Lippen, wulstig und eisern. Breite Schultern, kantig und rund zugleich. Flache hohe Nase, Röhrenaugen, halbrunder Schädel. Ein Irokesenkamm auf dem Kopf. Diagonal. Aus zerspleißtem Drahtseil. Struppig. Mit Stahltrossen eingeschnürter Hals; daran hängend Schäkel, Schiffsbauschrauben und gekappte Kausche. Hautfarbe rostbraun.

Er hatte ein Schild um den Hals:
„Der Bojenmann. Eine Plastik von Studenten der Mannheimer Kunstakademie.“

Herr P besuchte einen Lehrer
Herr P besuchte einen befreundeten Lehrer. „Die Schüler lernen nicht mehr so gut wie früher.“ beklagte sich der ältere Lehrer. „Woran mag das liegen.“ fragte Herr P. „Ich weiß es auch nicht. Ich sage den Schülern vor jeder Klassenarbeit …“  – und der Lehrer machte eine kurze Pause – „… sie sollen keine Fehler machen. Ich sage das sogar mehrmals.“

Herr P schaute nachdenklich.

 

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Referenzen – Kundenauswahl

Seit 1995 arbeite ich auch als Trainer, Berater und Coach.  Neben  Rhetorik- und Präsentationstrainings entwickle und moderiere ich Großgruppenveranstaltungen, z.B. für Changeprozesse. Ausführliche Beschreibungen in unserem Buch „Interaktive Großgruppen“. Heidelberg 2013, Springer Medizin

Für die folgenden Unternehmen und Organisationen habe ich seit 1995 Rhetorik- und Präsentationstrainings, Coachings, Workshops, Teamtrainings und/ oder Großgruppenveranstaltungen (mit Partnern) entwickelt, geplant und durchgeführt:

  • ADG Akademie Deutscher Genossenschaften Montabaur
  • ALP Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen
  • Audi AG Ingolstadt
  • Basler Versicherung/Baloise SoBa Bank Basel/Schweiz
  • Bayer Schering Pharma AG Berlin
  • BBI Flughafen Berlin Brandenburg International Berlin
  • BSR Berliner Stadtreinigungsbetriebe Berlin
  • BG Bau Hannover
  • BGAG Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeit und Gesundheit Dresden
  • BGIA Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz St. Augustin
  • BGW Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege Hamburg
  • BilfingerBerger AG Mannheim
  • Boehringer Ingelheim GmbH Ingelheim
  • Breuninger GmbH & Co. Stuttgart
  • Bundesdruckerei Berlin
  • Celanese Chemicals GmbH Frankfurt/M
  • Deutsche Asphalt GmbH Frankfurt/M
  • Deutsche Flugsicherung Langen
  • DGUV Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung Berlin
  • Dresdner Bank AG Frankfurt/M
  • EADS München Unterschleißheim
  • enercity Stadtwerke Hannover
  • Ernst & Young AG Stuttgart
  • Fidelity Investment Services GmbH Kronberg/Ts
  • Ford AG Köln
  • Freiburger Beratergruppe Freiburg
  • GENO Württembergische Genossenschaftsakademie Hohenheim
  • GETRAG Corporate Group GmbH & Cie KG Untergruppenbach
  • GUV Gemeinde-Unfallversicherungsverband Oldenburg
  • HVBG Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften St. Augustin
  • HSG Training Center Neu-Isenburg
  • IAG Institut für Arbeit und Gesundheit Dresden
  • IPFP Institut für psychosoziale Fort- und Weiterbildung Wiesbaden
  • KAN Kommission Arbeitsschutz und Normung St. Augustin
  • Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt/M
  • kreuznacher diakonie Bad Kreuznach
  • Otto Bock Healthcare GmbH Duderstadt
  • PI Pädagogisches Institut München
  • Porsche AG Stuttgart
  • PSD Banken Stuttgart/Freiburg/Saarbrücken
  • RheinLand Versicherungs AG Neuss
  • SBB Schweizer Bundesbahn Basel/Schweiz
  • Sirona Dental Service GmbH Bensheim
  • Institut Straumann AG Basel/Schweiz
  • Sumitomo Electric Bordnetze GmbH Wolfsburg
  • TUI Cruises Hamburg
  • Unfallkasse Hessen Frankfurt
  • Unfallkasse des Bundes Wilhelmshaven
  • Vileda/Freudenberg AG Weinheim
  • Volkswagen AG Wolfsburg
  • Wella AG Darmstadt
  • Wolff & Müller Holding Stuttgart
  • ZDF Mainz

Kurzbeschreibungen von Projekten.