Angewandte Theaterforschung ist online

www.angewandte-theaterforschung.de

schließt eine Lücke in der Forschung und bietet Unterrichtsmaterial für das Unterrichtsfach Theater/ Darstellendes Spiel in Schulen an, das mit wissenschaftlichen Methoden erarbeitet wurde.

Die Theaterwissenschaft arbeitet theoretisch und bezieht sich explizit nicht auf Praxis.

Im Gegensatz dazu untersucht „Angewandte Theaterwissenschaft“ Theater in Theorie und Praxis und gibt Impulse für die Entwicklung des professionellen Theaters.

Angewandte Theaterforschung (AT) baut eine Brücke zwischen Theaterwissenschaften und der Praxis des Kinder-, Jugend- und Schultheaters und dem  Unterrichtsfach Theater/ Darstellendes Spiel und  in Schulen.

 

 

 

„Die Kunst Theater zu lehren“

Ausgehend von den vielfältigen Erfahrungen, die ich seit den 1980er Jahren mit Theaterunterricht an verschiedenen Schulen in verschiedenen Jahrgangsstufen, in Workshops und Seminaren gemacht habe, scheint die Zeit reif für eine Bestandsaufnahme.

Was sollte ein Theaterlehrer tun und wie sollte er es tun, um für seine Schüler einen möglichst großen Mehrwert zu generieren?

Oder einfacher gefragt: Was macht guten Theaterunterricht aus?

Diese Frage werde ich versuchen umfassend zu beantworten in meiner Publikation „Die Kunst Theater zu lehren“, an der ich seit geraumer Zeit arbeite und die demnächst erscheinen wird und wofür ich hier bereits Titelschutz als Urheber anmelde.

Volker List, Hüttenberg, 01.01.2017

 

Theaterhandwerk unterrichten

Theaterhandwerk unterrichten und Theaterhandwerk lernen

Mit der Etablierung von Theaterunterricht/ Darstellendes Spiel als Teil des allgemeinen Bildungskanons an öffentlichen Schulen entsteht die Forderung nach konkreter Beschreibung und Transparenz von Lerninhalten und Methoden (Didaktik). 

Dies erlaubt es dem Theaterlehrer nicht in der Rolle eines (unausgebildeten) Regisseurs zu inszenieren. Der Theaterlehrer gibt den Schülern vielmehr Lernimpulse, mit denen sie sich Kompetenzen – im Rahmen vorab definierter Bildungsstandards des Systems Theater – aneignen. 

Diese Entmystifizierung der Herstellung von ästhetischer Wirkung macht manchem Theaterlehrer und Uni-Dozenten Angst, denn er muss jetzt im Detail Rechenschaft ablegen, was die Schüler bei ihm lernen und wie er das Erlernte am Ende transparent benotet. 

Das hier veröffentlichte Material gibt Anregung und Hilfe, das System Theater als Handwerk zu begreifen, das systematisch-methodisch ästhetische Wirkung in einer Aufführung vor Publikum herstellt.

Kompositionsmethoden

Die neun Kompositionsmethoden habe ich mit Schülern in kleinen Videos visualisiert. Diese Videos sind keine Lehrfilme im klassischen Sinn, sondern mit kleinem Equipment und einfachen Mitteln aufgezeichnete Versuche zu zeigen, was es mit diesen Methoden so auf sich hat und können Schüler inspirieren, sich damit spielerisch und kreativ nach dem Muster trial and error auseinander zu setzen und Erfahrungen zu sammeln.

Reihung

Die Reihung ist eine sehr einfache Kompositionsmethode,
die es schnell ermöglicht jeden Schüler im Ensemble zum Zug kommen zu lassen.

Einsatzmöglichkeiten:

  1. Zum Beginn eines Stückes werden die Figuren vorgestellt.
  2. In einer Szene treten unter ähnlichen Konstellationen reihenweise Figuren auf. Die Prinzessin empfängt eine Reihe Prinzen, die Schönheit an der Bar eine Reihe sie Begehrender, der Chef eine Reihe Bewerber usw
  3. Audioeinspielungen oder andere akustische Elemente werden in einer erkennbaren Reihe abgespielt oder vorgetragen, eben der Reihe nach.

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 144ff

 

Wiederholung

Die Wiederholung ist eine sehr einfache Kompositionsmethode,
die eine bewusste Gestaltung eines Vorganges sehr schnell deutlich macht.

Einsatzmöglichkeiten:

  1. Wiederholungen als Monotonie.
  2. In einem Altenheim wirbt ein Mann tagelang jeden Morgen erneut immer wieder auf die gleiche Weise um die gleiche  Mitbewohnerin. Er hat Alzheimer und weiß nicht mehr, was er am Tag zuvor gemacht hat.
  3. In einer Szene wiederholt sich immer wieder der gleiche Vorgang kleiner Aktionen. Es kommt zu einer rhythmischen Performance.

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 144ff

 

Steigerung

Eine Steigerung macht etwas größer, lauter oder heftiger.

Die Klimax ist das Grundmuster: Positiv, Komparativ, Superlativ.

Einsatzmöglichkeiten:
Ein Konflikt zwischen zwei Figuren steigert sich, er eskaliert.

Stufe 1: Zuerst sind die zwei Figuren unfreundlich zueinander.
Stufe 2: Sie beschimpfen sich gegenseitig.
Stufe 3: Am Ende schlagen sie aufeinander ein.

Eine Negativ-Klimax geht den umgekehrten Weg (De-Eskalation).

Einsatzmöglichkeiten:
Stufe 1: Ein Verliebter versucht mit allen Mitteln sein Angebetete zu erobern.
Stufe 2: Der Verliebte wird nicht gleich erhört und er beginnt zu zweifeln.
Stufe 3: Der Verliebte resigniert und stellt sein Bemühen frustriert ein.

Film Steigerung Teil 1
Film Steigerung Teil 2

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 150ff

 

Verdichtung

Eine Verdichtung erhöht die Intensität eines Geschehens.

Beispiel:
Der Druck auf eine Figur, eine unausweichliche Entscheidung zu treffen, erhöht sich kontinuierlich.

Film Verdichtung Teil 1 
Film Verdichtung Teil 2 

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 148ff

 

Kontrastierung

 

 

 

 

 

 

Die Kontrastierung zeigt etwas Gegensätzliches.

Beispiel: Ein gutgläubiger, ehrlicher Mensch und ein Verbrecher treffen aufeinander.

Film Kontrastierung

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 148ff

 

Kompetenzüberprüfung „Figuren-Solo“

Wie kann ich Schüler unterstützen, eine spielpraktische Prüfung – hier: Figurensolo – gut vorzubereiten?

Und wie kann ich mich als Lehrer gut aufstellen, anschließend eine für den Schüler transparente und nachvollziehbare Bewertung abzugeben?

Die Checkliste füllen die Schüler vor der Prüfung aus und geben sie der Kursleitung. Diese benutzt sie für die Bewertung und Benotung.

Kompetenzüberprüfung „Portfolio“

Eine angemessene Form, wie Schüler ihren theatralen Lernprozess reflektierend begleiten und sich – vom Lehrer emanzipierend – einen kritischen Blick auf sich selbst erarbeiten und zu einer plausiblen Einschätzung ihres Lernerfolgs kommen.

 

 

Bettina Tonscheidt hat aus ihren überaus guten Erfahrungen mit diesem Angebot, das gleichzeitig Leistungskontrolle sein kann, die Arbeitsweise mit dem Portfolio hier beschrieben und entsprechende Aufgabenblätter vorgelegt.

Zur Nachahmung empfohlen!

> link zum Herunterladen: Portfolio im Theaterunterricht: Grundlegender Arbeitsauftrag

> inzwischen ist Bettina Tonscheidts Material außerdem veröffentlicht in „Spiel & Theater“ Heft 187 April 2011, S.6-9

Lernfeld Szenografie

Raumgestaltung mit Holzquadern

Die Arbeit mit abstrakten Formen oder besser gesagt nicht-naturalistischem Einsatz von Material hat für unser junges Fach viele Vorteile. Zunächst ist da die Multifunktionalität zu nennen: Ein Satz Holzquader reicht für die ganze Welt. Buchstäblich die Bretter, die die Welt bedeuten.

Die Abstraktheit der Formen reduziert und fokussiert gleichermaßen. Die wichtigen Fragen rücken in den Mittelpunkt:

Wer bewegt sich wo auf der Spielfläche (in der Horizontalen > 9-Punkte-Feld und in der Vertikalen > liegen, sitzen/knien, stehen) und warum? Dramaturgische Begründen werden notwendig. Warum gerade dort?

Die Multifunktionalität ermöglicht vielfältige Nutzung ohne die scheußlichen Umbaupausen (Ich würde sie per Dekret verbieten, weil sie meist dramaturgisch nicht notwendig und sinnvoll sind und den Spannungsbogen zerreissen).

Was gerade noch Bank in der Laube war (Säule quer gelegt, 2 grüne Tücher) wird mit einem Handgriff (den der Spieler leicht selbst macht) zum Schafott (rotes Tuch). Diese Spielweise setzt sehr viel Spielfantasie bei Schülern frei und überrascht immer wieder das Publikum. Die Abstraktheit der Szenografie drängt die Schüler, in ihrer Körperlichkeit besonders expressiv zu sein, präzise und deutlich zu spielen, denn nicht die Kulisse schreit: Dies ist eine Kirche (weil ein echter Altar auf die Spielfläche gewuchtet wurde) oder eine Autowerkstatt (weil ein echtes Auto auf die Spielfläche gefahren wird) sondern die zwei drei räumlich nach bestimmten Kriterien angeordneten Holzquader stützen die Illusion, die die Spieler durch ihre Körperlichkeit erzeugen.

Im postdramatischen Theater können die Körper entsprechend zu Bühnensubjekten werden, die in ihrer reinen räumlichen oder dreidimensionalen Form und Funktion genutzt werden. Siehe dazu auch das 6. Modul „Raumkonzept und Atmosphäre“ des Aufbaukurses 2 im Kursbuch Darstellendes Spiel.

Theater als neues Unterrichtsfach hat sich aus alten Traditionen und Beschränkungen zu lösen. Hierzu gehört die Vorstellung und immer noch verbreitete Meinung, es müsse beim Zuschauer die Illusion einer naturalistischen Kulisse erweckt werden. Die im Folgenden beschriebene szenografische Arbeit zeigt die vielfältigen Vorteile der Nutzung abstrakter Formen im Theaterunterricht. Die beschriebenen Holzquader lassen sich multifunktional einsetzen und regen die Schüler an, dramaturgisch-szenografische Fragen in den Fokus zu stellen und verschwenden keine Energie mehr in das tendenziell unbegrenzte Sammeln naturalistischer Kulissenteile > siehe Gestaltungs- und Spielimpulse. Auch zentriert die Schüler diese Arbeitsweise mehr auf den originären theatralen Ausdruck, den Körper und sein Spiel im Raum. Die Holzquader als Konstituenten für Raum öffnen im darstellenden Spiel damit sogenannte Leerstellen – frei nach der Theorie von Iser – und können somit die Inspirationskraft von Spielern und Publikum in weit  stärkerem Maße anregen als 1:1-Abbildungen von Gegenständen auf der Bühne.

Das Material:

Tischlerplatte 19 mm verleimt und verschraubt.

Würfel:  40 x 40 x 40 cm

Säule:    40 x 40 x 80 cm

Podest:  40 x 80 x 80 cm

Säulen und Podeste enthalten im Innern noch entsprechende Querverstrebungen zur Versteifung, d.h. im Innern der Säulen befindet sich noch in der Mitte ebenfalls eine entsprechende Platte 40 x 36,2 cm.

Die Podeste durchzieht ein entsprechendes Plattenkreuz, sodass die Platten der Holzquader im Abstand von max. 40 cm von innen gestützt werden.

Belastbarkeit: 10 Personen können vom Gewicht her problemlos auf einem Podest stehen.

Preis für 8 Würfel, 4 Säulen und 2 Podest beim Schreiner ca. 800 €.

Die Quader sind unbehandelt mit Farbe o. Ä.

Aufgaben:

Kreiert in Kleingruppen mit den Holzquadern zwei bis drei verschiedene Räume. (KB1 und KB2)

Platziert euch als unterschiedliche Figuren, d.h. in unterschiedlichen Körperhaltungen in die jeweiligen Räume, sodass ausdrucksstarke Standbilder, Tableaux entstehen. Macht dabei auch Beziehungen der Figuren untereinander deutlich. (KB1 und KB2)

Fakultativ:

Stellt auch Holzquader dorthin, wo sich das Publikum befindet und sprecht darüber, welche Wirkung ihr damit erzielen wollt. (KB 3)

Präsentiert der Gesamtgruppe eure Tableaux und lasst eure Zuschauer raten, welche Orte ihr darstellen wollt und was sich dort ereignet.

Auswertung/Feedback:

– Sind die Holzquader der jeweiligen Räume so platziert, dass Zuschauer schnell klar erkennen, um welchen Raum es sich handelt?

– Sind die Figuren und ihr Körperausdruck passend gewählt, um die Raumillusion zu verstärken?

– In welcher Weise unterstützen die Holzquader als nicht-naturalistische Kulissen den Raumausdruck und die szenische Darstellung?

– Welche Anforderungen stellt diese nicht-naturalistische Kulisse an den Ausdruck und die Spielweise der Darsteller?

Fakultativ:

Sprecht darüber wann und wo im Theater Kulissen nicht als naturalistische eingesetzt werden und welche Wirkung die Regisseure damit erzielen wollen und wie diese Szenografie vom Publikum aufgenommen wurde. (KB4)

Anmerkung:

Die Kompetenzbereiche, die mit der Übung trainiert werden, sind in Klammern eingefügt.

Das Improvisations-Theater – Regeln

Was macht Spaß am Imrovisationstheater? Was kann man dabei lernen? –
Die Schülerin Sarah hat 2010 in der Stufe 13 einen selbst produzierten Film als Klausur erarbeitet.

Hier eine 7-Minuten-Zusammenfassung:

(Den Film in Originallänge – 21 Minuten – gibt es hier > link.)

Schüler haben an der Weidigschule in Butzbach/Hessen die Möglichkeit, auch in der Stufe 13 das Fach Darstellendes Spiel/ Theater zu belegen. Jahr für Jahr werden es mehr Schüler, die diesen Kurs „Improtheater und Theatersport“ belegen, obwohl sie ihn für das Abitur nicht benötigen.

Die Weidigschule ist immer auf der Suche nach anderen Schulen, die auch Improkurse anbieten, um mit Ihnen gemeinsam einen Theatersport-Aufführung zu organisieren. –

Selbstverständlich haben in diesem Kurs die Schüler auch die notwendigen Leisungsnachweise zu erbringen

Wie kann ich als Theaterlehrer nun den Kompetenzzuwachs überprüfen?

Die Hausarbeit ist eine Variante.

Wie die Aufgabe dazu lautet beschreibe ich ausführlich im „Kursbuch Impro-Theater“, Klett 2012.

Beobachtungs- und Feedbackbogen

Das zunehmend selbstgesteuerte Lernen der Gruppe gibt mir als Lehrer mehr Zeit für Beobachtung, die wiederum Grundlage für mein differenziertes Feedback an Schüler ist.

Der Beobachtungs-/Feedbackbogen hilft mir, wichtige Beobachtungen festzuhalten. Damit strebe ich folgende Ziele an und erreiche folgende Wirkungen:

  1. Ich vergesse keine wichtigen und für meine Schüler hilfreiche Beobachtungen.
  2. Ich zeige meinen Schülern, wie wichtig mir jeder Einzelne in meinem  Kurs ist. Natürlich muss ich drauf achten, möglichst allen – über einen gewissen Zeitraum – Feedback zu geben. – Ich gebe sehr viel positives Feedback.
  3. Ich zeige meinen Schülern an der Art und Weise, wie ich Feedback gebe, worin die Vorteile für den Feedback-Nehmer liegen. Ich gebe ein Beispiel, ein Modell. Auch Erwachsene lernen überwiegend durch Nachahmung.
  4. Ich kann leichter Feedback zum Lernfortschritt einzelner Schüler und des Ensembles geben; entsprechende Fördervorschläge machen.

Selbstverständlich sind meine Notizen keine Geheimpapiere und jeder Schüler kann jederzeit meine Unterlagen anschauen. Dazu benutze ich sie so, dass es Schülern leicht fällt, wenn sie z.B. neben mir sitzen, auf meine Notizen zu schauen und ich zeige sie natürlich auch.

Wertschätzung ist die beste Motivationsquelle.

Der Beobachtungs-/Feedbackbogen ist eine Exel-Datei und kann entsprechend verändert oder bearbeitet werden.

> link zum Herunterladen Beobachtungs-/Feedbackbogen für die Kursleitung

Elektronische Medien im Theaterunterricht

Worum geht’s nicht?

Elektronische Medien haben Einzug gehalten ins Theater, auch ins Schultheater. TV-, Videogeräte, Beamer, Computer, Livestreams auf Leinwand oder andere Projektionsflächen wie die Bühnenrealität, Spieler, Gesichter setzen neue und ungewohnte Impulse. Manchmal pfiffig und kreativ genutzt und bereichernd für eine theatrale Ästhetik. Oft – nach meinen Erfahrungen – eher platt einem Hype, früher sagte man Trend, folgend – irgendwie in das Bühnen- oder Raumspiel eingebaut als Verdoppelung des Geschehens,  besser noch als Subtext oder Vision, als Kompositionsmethode Bruch.

Worum geht’s – allgemein.

Mich bewegen folgende Fragen:

Was ist das Prickelnde an der Nutzung elektronischer Medien nicht auf der Bühne, sondern während des theatralen Produktionsprozesses?

Wie können wir als Theaterlehrer diese Medien unterstützend im Unterricht einsetzen und unseren Schülern auch hier zukunftswichtige Lernfelder anbieten?

Wie bereiten wir diese Lernfelder auf, sodass für Schüler viele Möglichkeiten bieten, ihre Selbstlernkompetenz zu trainieren möglichst viel Verantwortung in einem (Lern-)Prozess zu übernehmen, den sie tendenziell immer selbstständiger auch steuern?

Worum geht’s – aufgegliedert.

Wir haben grob unterteilt drei Felder der Nutzung:

1. digitale Kommunikationsinstrumente

2. Einsatz von Digicam während der Proben als Feedbackinstrument

3. Aufnahme der Werkschau, Analyse, Podcastproduktion usw.

Worum geht’s – hier speziell und im Detail.

Besonders interessant erscheint mir der Punkt 1. Welche hilfreichen Instrumente gibt es hier? Der Austausch per Emails dürfte mittlerweile Standard sein.

Internet-Unternehmen bieten unentgeltlich verschiedene Programme  und Kommunikationsplattformen an. Man muss sich lediglich anmelden und sich einen sog. Account einrichten, d.h. nichts anderes als sich per selbst erteiltem Kennwort einen nur individuelle nutzbaren Bereich zu schaffen. Auf die Risiken der Verwendung der Daten des Nutzers durch den Provider soll hier nur hingewiesen, aber nicht vertiefend eingegangen werden.

Habe ich mir diesen Account eingerichtet, beispielsweise bei Google „Text&Tabellen“, dann kann ich dort Dateien in Word oder Excel von meinem Rechner hochladen und andere Nutzer einladen, diese Dokumente zu bearbeiten oder eingeschränkt nur zum Lesen zur Verfügung zu stellen, wenn ich möchte, dass diese Dokumente nicht verändert werden. Die Programme sind in ihrem Leistungssprektrum deutlich abgespeckt, aber vollkommen ausreichen für unsere Zwecke.

Als Theaterlehrer kann ich nun Dokumente – auch Filmaufnahmen aus Proben oder anderes hilfreiches Filmmaterial – hier deponieren und meine Schüler – die ich per Email und Zugangsberechtigung eingeladen habe – bitten, die Filme anzuschauen, die Texte zu lesen, sie auf ihren Rechner herunterzuladen, sie auszudrucken und zu bearbeiten. – Nie mehr das lästige stundenlange Kopieren von Texten für Schüler durch den Lehrer!

Alle eingeladenen Schüler können auch Dokumente von ihren Rechnern dort hochladen und ebenfalls auf diese Weise ihren Mitschülern zur Verfügung stellen.

Den hilfreichsten Nutzen erlebe ich in einer Word-Datei, die als Kommunikationsplattform für alle Kursteilnehmer fungiert. Zur Erinnerung: Nur die von mir eingeladenen Kursteilnehmer haben Zugang zu den Daten

Worum geht’s – ganz konkret.

Hier platziere ich am Anfang eines Kurses die folgenden Informationen mit fünf Kapitelüberschriften:

1. Aktuelles – Hier kann jeder Eintragungen machen, die aktuell wichtig sind; ein 7-Tage-Board sozusagen, denn die Bemerkungen werden nach 7 Tagen wieder gelöscht, wenn sie ihre Aktualität verloren haben oder einfach erledigt sind.

2. Die Spezialteams – In den Aufbaukursen 1 und 2 sind hier die Namen der aktuellen Mitglieder der Spezialteams eingetragen, die Teamsprecher und Hauptansprechpartner stehen jeweils am Anfang der Listen: Team Produktionsleitung – Team Dramaturgie – Team Regie – Team Technik – Team Szenografie.

3. Eine Termin- und Uhrzeitenliste aller Unterrichtsstunden, Probentermine und der Werkschau in Tabellenform. Je zwei Kursteilnehmer tragen sich in den ersten 7 Tagen zu jeweils einem Termin als Spielleitungsteam ein, sodass für jeden Termin ein Spielleitungsteam verantwortlich den Unterricht und die Proben anleitet bzw. organisiert. Dies geschieht natürlich später im Prozess bei verstärkter Probenarbeit immer in enger Kooperation mit dem Regieteam und je nachdem auch mit den anderen Spezialteams, wenn es nötig ist. Das Spielleitungsteam schreibt schon während des Unterrichts (wenn Online-Zugriff im Probenraum besteht; siehe Foto) oder als Hausaufgabe eine sehr knappe, stichwortartige Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse in die Zeile des Tages. Auf diese Weise können sich alle Schüler, die gefehlt haben, sehr schnell informieren, was erarbeitet wurde, und sich entsprechen darauf einstellen und vorbereiten.

4. Eine Liste aller Namen und Kontaktdaten, sodass alle Kursteilnehmer diese Daten in den ersten Tagen auf ihren Rechner herunterladen können. Diese Daten werden nach maximal 7 Tagen wieder gelöscht. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, der kann auch diese Liste mit den persönlichen Kontaktdaten per Email verschicken oder althergebrachter Weise ausdrucken und kopiert verteilen.

5. Das Stück – Hier notiert das jeweilige Team Dramaturgie kurz Arbeitsergebnisse des Unterrichts, die für die Entstehung des Stückes wichtig sind. Auf welche Inszenierungsidee hat sich das Ensemble geeinigt? Welche möglichen Figuren sind in den Improvisationen im Unterricht entstanden? Auf diese Weise entsteht nach und nach das komplette Regiebuch des Stückes mit Regieanweisungen, Sprechtexten, Subtexten und Hinweisen zur Technik und Szenografie. Das betreuende Dramaturgie-Team kann, es muss hier nicht alles schreiben, sondern diesen Prozess auch nur wesentlich anleiten und betreuen, das heißt z. B. wenn es an die schriftliche Ausarbeitung und Fixierung der Szenen geht, dass die Darsteller der Figuren ihren eigenen Sprechtext, so wie er sich in den Improvisationen und Proben langsam herauskristallisiert, selbst in das Regiebuch eintragen. Sie wissen schließlich am besten, wie ihre Figur zu sprechen hat.

Das Team Produktionsleitung pflegt die Kurs-Website insgesamt zunehmend selbstständig, heißt, diese Schüler schauen, ob alle Verantwortlichkeiten wahrgenommen werden, unterstützen einzelne Teams, die Hilfe benötigen und erarbeiten sich langfristig die Rolle von Supervisoren oder Auditoren. Dies geschieht natürlich zumindest am Anfang des Prozesses immer in enger Abstimmung mit der Kursleitung.

 

Im Verlaufe der Stückerarbeitung bzw. der Stückentstehung werden auch Szenenfotos auf die Website gestellt, so dass visuell dokumentiert ist, wo sich z. B. in welchen Szenen  die Figuren auf der Bühne in welchen Haltungen befinden. Für das Team Szenografie bzw. die Darsteller ist es wichtig, zu jedem Probentermin parat zu haben, wo und wie Kulissen auf der Spielfläche platziert werden. Manche Schüler habe ihre Handys dabei und die jeweiligen Fotos parat; ein sinnvoller Einsatz von Handys mit Kamerafunktion im Unterricht.

Das Team Technik kann auf der Kurs-Website seine Vorschläge für die Lichtgestaltung und die Audioeinspielungen bereitstellen, so dass sich alle Ensemblemitglieder diese vor der jeweils nächsten Probe anschauen und anhören können. Insofern findet ein individuell geführtes Probentagebuch hier auch seine elektronische Erweiterung und Vernetzung, sofern Themen und Stoffe berührt werden, die auch für andere wichtig sein können.

Bewertung – schwierig.

Was funktioniert noch nicht so gut? 

Manchen Schülern, zum Glück recht wenigen, ist die Nutzung selbst einfacher Funktionen wie Email noch nicht vertraut. Einige haben (noch) keinen eigenen Computer. Die meisten Schüler sind anfangs sehr zurückhaltend und unsicher, wie sie die Website nutzen sollen und dürfen. Sie denken ganz im Sinne der Tradition des alten hierarchischen Unterrichtes, dass das eine Werkzeug des Lehrers sei. Es braucht viele Ermunterungen, bis sie gelernt haben, dieses Werkzeug zu ihrem zu machen. Aber nicht nur meine Erfahrungen zeigen,  dass Schüler weit mehr selbstständig arbeiten können, als wir es ihnen als Lehrer zutrauen.

Aus ähnlichem Grund agieren die verantwortlichen Schüler bei der Pflege der gesamten Website anfangs sehr vorsichtig, wenn es darum geht, dass veraltete Informationen von der Website gelöscht werden sollen bzw. alles, was nicht mehr gebraucht wird. Sie sind sich noch lange unsicher in der Beurteilung, wann sie etwas löschen oder umstellen oder ergänzen dürfen. Eine Folge des viele Jahre trainierten Verhaltens im Unterricht, weitgehend nur Lehreranweisungen umzusetzen und Objekt von Prozessen zu sein?

Bewertung – positiv.

Was funktioniert gut?

Die meisten Schüler kommen mit der Einladung schnell auf die Seite. Es gab in meinen Kursen in den fünf Jahren, seit ich die Website nutze, noch keine Störungen oder Streiche auf der Website, geschweige denn Missbrauch. Nach einer gewissen Zeit haben sich die Schüler die Kurswebsite als ihre Kommunikationsplattform weitgehend zu eigen gemacht und benutzen sie entsprechend verantwortungsvoll, so dass Termine langfristig geplant werden können und Änderungen schnell im Kurs kommuniziert sind.

Sehr viel mehr Ideen, die die Schüler im Laufe einer Woche bis zur nächsten Unterrichtsstunde haben, finden ihren Weg auf die Website. Sie kann auch zum Arbeitsfeld werden für Schüler, die auf der Spielfläche als Darsteller eher gehemmt sind und ihre Engagement mehr im Bereich der Dramaturgie finden.

Das Besondere.

Hier greift das Stichwort vom geheimen Lehrplan, aber in emanzipativer Weise: Der Erwerb von Kompetenzen, die nicht ausdrücklich benannt bzw. tiefgehend erläutert werden, aber zu den sogenannten Zukunftsqualifikationen gehören:

1. Projektmanagement

2. Prozesssteuerung

Ich neige dazu, den Schülern mehr und mehr auch diese Dinge bewusster zu machen und mit ihnen darüber zu sprechen und ihnen die Funktion elektronischer Medien in diesem Kontext zu erläutern. Denn diese Kompetenzen sind nun ausgesprochene Realitätskompetenzen, so nenne ich sie mal als Handgelenksformulierung. Und ich meine damit, dass Schüler kein als Kanon vorab definiertes Wissen auswendig lernen, dessen Nutzen sich ihnen (noch) nicht erschließt bzw. dessen Halbwertszeit immer kürzer wird, heißt: immer schneller veraltet und unbrauchbar ist, eigentlich disfunktional.

Diese eher mittelalterlich orientierte Form des Lernens stiehlt den Schülern Zeit, in der sie Sinnvolleres lernen könnten – das anachronistische Lernmodell folgt ja eigentlich immer noch dem mittelalterlichen Bildungsideal, das schon Goethe in seiner Figur des Famulus Wagner lächerlich gemacht hat (Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.).

Die Schüler sollen echte (Zukunfts-) Kompetenzen erwerben, heißt eine Vorgehensweise und Methodik, die sie befähigt, Strategien für Probleme zu entwickeln und Lösungsansätze und –möglichkeiten zu definieren für Situationen, in die sie mit großer Wahrscheinlichkeit beruflich und privat kommen werden. Darin spielen natürlich die elektronischen Medien eine herausragende Rolle. Diese Kompetenzen werden heute mehr und mehr in beruflichen Bereichen vorausgesetzt bzw. erwartet.

> link zum Herunterladen von „Spiel und Theater. Heft 186, Oktober 2010 Elektronische Medien im  Theaterunterricht“

Aufbaukurs 1 – ganzjährig

Hier gibt es eine Übersicht zum Herunterladen, wie ich die Module des Aufbaukurses 1 über ein ganzes Jahr verteile und zu welchen Zeiten ich welche Leistungskontrollen angesetzt habe. 

Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Änderungen. 

Gibt‘s Fragen dazu und habt ihr eine Anmerkung, dann nutzt die Kommentarfunktion „Kommentar hinzufügen“ oder schreibt mir eine Mail.

Grundkurs 2 Modul 12 – Szenencollage entwickeln

Dieser 5-Minuten-Film zeigt beispielhaft, wie Schüler diese Doppelstunde auf der Grundlage des Kursbuch Darstellendes Spiel, Grundkurs 2 Modul 12 gestalten.

Der Film ist entstanden aus einem Mitschnitt einer tatsächlich absolvierten Doppelstunde Unterricht im Fach Darstellendes Spiel. Es gab keine filmischen Vorbereitungen, kein Drehkonzept, keine weiteren technischen Mittel außer einem einfachen Camcorder.

Der Film soll zeigen, wie Selbststeuerungs- und Selbstlernprozesse bei Schülern aussehen und wodurch sie in Gang gesetzt werden können.

Die Rolle des Lehrers beschränkt sich weitgehend auf Supervision und Beratung.

Grundkurs 2 Modul 9 – Figuren im Spiel

Auf der Grundlage des Kursbuch Darstellendes Spiel, Grundkurs 2 Modul 9 zeigt der 5-Minuten-Film beispielhaft, wie Schüler diese Doppelstunde gestalten.

Der Film ist entstanden aus einem Mitschnitt einer tatsächlich absolvierten Doppelstunde Unterricht im Fach Darstellendes Spiel. Es gab keine filmischen Vorbereitungen, kein Drehkonzept, keine weiteren technischen Mittel außer einem einfachen Camcorder.

Der Film soll zeigen, wie Selbststeuerungs- und Selbstlernprozesse bei Schülern aussehen und wodurch sie in Gang gesetzt werden können.

Die Rolle des Lehrers beschränkt sich weitgehend auf Supervision und Beratung.

Rezension – Wenzel, Karl-Heinz: Theater in B.E.S.T.-Form

Nach der Lektüre dieses Buches wurde mir eigentlich erst so richtig bewusst, was ich die zwanzig Jahre vorher überwiegend intuitiv gemacht hatte. Karl-Heinz Wenzel versteht es meisterlich all die Vorgänge präzise zu beschreiben, die wirkungsvolles Jugendtheater und auch Theaterunterricht ausmachen.

Für mich ist dieses Buch eine sehr große Hilfe gewesen, zu einem klaren Selbstverständnis als Theaterlehrer zu kommen. Ich will kein verhinderter Regisseur sein, der seine Schüler als Objekte benutzt, um nicht zu sagen „missbraucht“, um in erster Linie seine Phantasien von Theater auszuleben und vorrangig seine Lust am Inszenieren zu stillen.

Ich will, ganz im Sinne Wenzels, Lernprozess-Initiator für meine Schüler sein. Auch wenn mir das Inszenieren zusammen mit Schülern großen Spaß macht und ich mir im theatralen Entstehungsprozess immer wieder selbstkritisch meinen Anspruch vor Augen halten muss:

Ich bin kein Regisseur!

Und – wie Karl-Heinz Wenzel sagt – die Jugendlichen mitzunehmen, sie Vertrauen gebend auf ihrem theatralen Weg zu begleiten, ihnen Anregungen zu geben, ihnen Mut zu machen, etwas im dialektischen Prozess erst auszuprobieren und anschließend kritisch zu reflektieren, das macht wohl den einfühlsamen Pädagogen aus.

Wenzel, Karl-Heinz: Theater in B.E.S.T.-Form.
Plädoyer für ein anderes Jugendtheater. Weinheim 2006. Deutscher Theaterverlag.

Zaporah, Ruth: Action Theater – Übersetzung

Ruth beschreibt sehr anschaulich und direkt umsetzbar in 20 Modulen auf 276 Seiten all das, was Theater so wunderbar macht, wenn die Spieler von körperlicher Präsenz ausgehen, wenn sie achtsam ihre körperlichen Fähigkeiten und Kompetenzen ausloten und ins Spiel bringen.

Das Buch ist eine großartige Bereicherung unserer Anleitungsbücher für Theaterunterricht. Große Teile dieses tollen Praxis-Buches habe ich ins Deutsche übersetzt. Bisher hat sich nur ein Verlag ernsthaft für die Veröffentlichung ins Deutsche interessiert, ist aber nach Redakteurswechsel wieder abgesprungen.

Ruth hat mir die Genehmigung erteilt, ihr Buch in deutscher Übersetzung interessierten Verlagen anzubieten.

Klicke auf die Abbildung des Covers, um dir eine Kostprobe meiner Übersetzung ins Deutsche nur für den internen dienstlichen Gebrauch zu Prüfzwecken herunterzuladen.

Zaporah, Ruth: Action Theater. The Improvisation Of Presence. Berkeley USA 1995

List, Volker: Von der Vorlage zum Spiel

Nach „Körper und Raum“, Wiesbaden 2000, habe ich ein zweites Buch mit Unterrichtsvorbereitungen für ein halbes Jahr geschrieben.

Diese Stundenbeschreibungen sind gedacht für die Stufe 11 in G9 bzw. Stufe 10 in G8 und richteten sich nach dem gültigen Lehrplan Darstellendes Spiel für die Oberstufe in Hessen. Die darin beschriebenen Unterrichtsstunden/ Module sind aber auch einsetzbar in den Jahrgangsstufen 8-12.

Das Skript hat 141 Seiten.