Projekt KulturSchulen – Theatermethoden in gesellschaftskundlichen Fächern

Dekonstruiert  rekonstruiert
oder
Zerhackt – zusammengesetzt
Gesetzestexte erschließen mit Techniken und Methoden des postdramatischen Theaters bzw. mit performativen Formen.

Auf dem Boden sind in einem markierten Viereck einzelne Zettel mit den ersten fünf Artikeln des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland verteilt. Die Teilnehmer werden aufgefordert durch den (Gesetzes-)Raum zu gehen und die Zettel zu betrachten und zu lesen. Dazu erklingt Musik. Sobald die Musik stoppt, heben alle Teilnehmer einen Zettel auf und lesen den Texte still für sich. Eine Person liest laut ihren Text vor. Mehrmalige Wiederholung, sodass am Ende nahezu alle Textschnipsel vorgelesen sind und alle den gesamten Text einmal gehört haben.

Anschließend sortiert die Gruppe die Textabschnitte an einer Pinnwand in die richtige Reihenfolge. Der Text wird danach in der richtigen Reihenfolge von den Teilnehmern laut vorgelesen, indem sie sich in einer Linie aufstellen.

Diese Technik lässt sich mit vielen verschiedenen Texten durchführen und führt bei den Gruppenmitgliedern zu intensivem Austausch und Durchdringung der Texte mit hoher Intensität wie das bei isoliertem (stillen) Lesen selten der Fall ist.

In der (geschützten) Gruppe ist es leichter für die Schüler, sich untereinander Verständnisfragen zu stellen und sich gegenseitig zu helfen, den Sinnkontext und die Zusammenhänge zu erschließen und zu begreifen. Die Präsentation in der Gruppe wiederholt (lernt) die Inhalte in der richtigen Reihenfolge. Darüber hinaus ist diese chorische Präsentation eine weitere Anregung zur Identifikation mit den erarbeiteten Inhalten, in diesem Fall dem Grundgesetz, der rechtlichen Grundlage unseres Zusammenlebens und möglicherweise eine Hilfestellung bei der Auseinandersetzung mit anderen Formen des Zusammenlebens.

Diese Anregung und eine ganze Reihe anderer Impulse konnten die Teilnehmer des Workshops 3 Alles Theater! während des 3. Fachforums der Curriculums-Werkstatt der KulturSchulen Hessens des Projektbüros Kulturelle Bildung des HKM vom 30.10. – 01.11.2013 in Weilburg auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Theatermethoden in gesellschaftskundlichen Fächern

Dekonstruiert  rekonstruiert
oder
Zerhackt – zusammengesetzt
Gesetzestexte erschließen mit Techniken und Methoden des postdramatischen Theaters bzw. mit performativen Formen.

Auf dem Boden sind in einem markierten Viereck einzelne Zettel mit den ersten fünf Artikeln des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland verteilt. Die Teilnehmer werden aufgefordert durch den (Gesetzes-)Raum zu gehen und die Zettel zu betrachten und zu lesen. Dazu erklingt Musik. Sobald die Musik stoppt, heben alle Teilnehmer einen Zettel auf und lesen den Text still für sich. Eine Person liest laut ihren Text vor. Mehrmalige Wiederholung, sodass am Ende nahezu alle Textschnipsel vorgelesen sind und alle den gesamten Text einmal gehört haben.

Anschließend sortiert die Gruppe die Textabschnitte an einer Pinnwand in die richtige Reihenfolge. Der Text wird danach in der richtigen Reihenfolge von den Teilnehmern laut vorgelesen, indem sie sich in einer Linie aufstellen.

Diese Technik lässt sich mit vielen verschiedenen Texten durchführen und führt bei den Gruppenmitgliedern zu intensivem Austausch und Durchdringung der Texte mit hoher Intensität wie das bei isoliertem (stillen) Lesen selten der Fall ist.

In der (geschützten) Gruppe ist es leichter für die Schüler, sich untereinander Verständnisfragen zu stellen und sich gegenseitig zu helfen, den Sinnkontext und die Zusammenhänge zu erschließen und zu begreifen. Die Präsentation in der Gruppe wiederholt (lernt) die Inhalte in der richtigen Reihenfolge. Darüber hinaus ist diese chorische Präsentation eine weitere Anregung zur Identifikation mit den erarbeiteten Inhalten, in diesem Fall dem Grundgesetz, der rechtlichen Grundlage unseres Zusammenlebens und möglicherweise eine Hilfestellung bei der Auseinandersetzung mit anderen Formen des Zusammenlebens.

Diese Anregung und eine ganze Reihe anderer Impulse konnten die Teilnehmer des Workshops 3 Alles Theater! während des 3. Fachforums der Curriculums-Werkstatt der KulturSchulen Hessens des Projektbüros Kulturelle Bildung des HKM vom 30.10. – 01.11.2013 in Weilburg auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Theaterhandwerk lernen

Ja wie unterrichtet man denn jetzt eigentlich Theater?

Die wirklich hilfreichen Praxis-Beschreibungen und Anwendungshilfen sind rar. In neusten Fachpublikationen findet man vielerlei berechtigte Fragen, wie denn nun die Themen auf die Spielfläche kommen sollen und welche Formensprache benutzt werden soll. Es wird gefragt, wer was, wen und wie inszeniert.
Als Antwort und schlüssige Arbeitsweise liest man u.a., dass man Inszenierungen aus Improvisationen entwickeln soll. – Schonmal gut. – Die sollen dann genau angeschaut, darüber nachgedacht und wiederholt werden, aber nach anderen Spielregeln. – Auch ok. Aber welche Regeln?
Anschließend sollen sie geübt und verdichtet werden. – Guter Hinweis.
Aber wie geht das denn nun genau?
An anderer Stelle schreibt ein Spielleiter, dass er Bewegungen zerlegen lässt und Spielprinzipien herausfiltert.
Wie er das macht? Indem er viel übertreiben lässt.
An wieder anderer Stelle hatte ich die Hoffnung, die in der Überschrift gestellte Frage “Wie Theater machen” würde beantwortet. Statt dessen erhalte ich sprachlich redundant aufgeblasenes Allerweltswissen als Antwort, ich als Theaterlehrer soll den Dialog mit meinem Ensemble in aller Klarheit und Deutlichkeit führen. Ich soll über ein Repertoire von Verfahrensweisen verfügen, die je nach Situation bewusst ausgewählt und angepasst werden. – Ja klar. Was denn sonst? Man nennt das: für seinen Job ausgebildet sein.

Leider reiht sich in der Fachliteratur Aufsätzchen an Aufsätzchen dieser Art, Jahr für Jahr. Ich entdecke leider nur wenig wirklich Hilfreiches dabei. Hilfreich im Sinne, dass mir als Theaterlehrer gezeigt wird, wie ich denn nun praktisch vorgehen kann, um meine Ziele zu erreichen. Und leider berichten mir auch viele ausgebildete Theaterlehrer und Theaterpädagogen von ihren Problemen, dass sie eigentlich gar nicht ausreichend gelernt hätten, wie sie denn nun in der Schule Theater unterrichten sollen.

Ich war lange unzufrieden mit meinem eigenen Unterricht, den ich anfangs u.a. aus auf Festivals zusammengeklauten Fragmenten, Spontanideen und resignierten “Na dann macht mal!”-Seufzern zu Schülervorschlägen zusammenstoppelte. Immer mal wieder erwischte ich mich in der Regisseurs-Pose (vgl. den Aufsatz von Ines Habich: Theaterpädagogen – Theatermacher 2. Klasse …? In: Spiel & Theater Heft 192, Oktober 2013, S. 27) mit der Attitüde desjenigen mit dem großen Wissensvorsprung, der über die Kenntnisse der geheimen undurchschaubaren theatralen Wirkungskunst verfügt. Halt Herrschaftswissen. Aber immer dringlicher stellte sich mir die Frage, was ich an meinem Unterricht ändern muss, damit für die Schüler ein maximaler Lernerfolg möglich wird. Damit sie das System und die Kunst Theater durchschauen, verstehen und selbst als Kulturtechnik in ihr Leben integrieren können. -
Das ist mein Antrieb für die Kursbücher gewesen.
Und den ewigen Missverstehern nochmal ins Stammbuch geschrieben: Nein, ich will nicht, dass alles von den Schülern selbst kommt. Das ist doch Blödsinn. Ich will, dass die Schüler am Ende des Lernprozesses möglichst vieles selbst können. Das ist unser Bildungsauftrag: Hinführen zur Selbstständigkeit. Und dazu müssen wir als Lehrer engagierte, inspirierte/ inspirierende, kompetente, begeisternde, einfühlsame, teamfähige Vorbilder sein, die entsprechende Impulse und häufiges Feedback geben, Angebote machen, begleiten, betreuen, fördern … Aber das ist doch alles schon tausend mal gesagt worden.
Es gilt noch immer. Mehr denn je.

Und hier ist mein neuster Beitrag für uns Theaterlehrer, wie wir guten Theaterunterricht machen können … und noch ein paar weitere interessante und hilfreiche Praxisbeschreibungen.

 

List, Volker: Theaterhandwerk lernen – Kompositionsmethoden.

In: Spiel & Theater, Heft 192, Weinheim Oktober 2013.
Deutscher Theaterverlag Weinheim

Noch´n Sargnagel fürs Gespenst?

Ende ist eine Schöpfungsgeschichte und She She Pop übernehmen darin die vorgegebenen Rollen von Gott, dem Menschen, Eva, den Tieren und den Cherubim. Auf der Bühne, dem Paradies, probieren She She Pop verschiedene Strategien des Beendens. Aufräumen, anhalten, abbrechen, Schnitt, Stille, Schluss. Die himmlischen Heerscharen gestalten dazu einen Abgesang aus Meat Loafs Album ‘Bat Out of Hell‘.” schreibt She She Pop auf ihrer Website http://www.sheshepop.de am 12.10.2013 um 09:37 Uhr.

“… ziemlich viele frauenfeindliche Witze. Die Klischee-Begriffe, mit Kreide auf eine Wand geschrieben, werden nach und nach durchgestrichen. Die Idee, dass mit der Ordnung der Welt auch eine Geschlechtertrennung entstand, ist ja gendertechnisch ganz interessant. Aber dass sie so platt, didaktisch und unterkomplex daherkommt, ist kaum zu ertragen – vor allem von She She Pop. Die waren vor 15 Jahren mal angetreten, um uns so witzig wie klug unsere Geschlechterbilder zu spiegeln. Ob es ein Zufall ist, dass der Abend ‘Ende‘ heißt?” schreibt Mounia Meiborg in der Süddeutschen Zeitung vom 11. Oktober 2013 im Feuilleton auf Seite 12.

She She Pop haben auch Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen studiert. Ist das Gespenst der Dekonstruktion doch noch nicht nach Hause gegangen, wie es Moritz Rinke formuliert?

Ich erinnere mich.
Ich habe in Gießen studiert, nicht Angewandte Theaterwissenschaft, sondern Politikwissenschaft, Germanistik und einige Semester Soziologie, Anglistik, Geschichte und Psychologie, und den Start und die Entwicklung des Fachbereichs Angewandte Theaterwissenschaft als Student und später als Theaterlehrer(-Ausbilder) interessiert verfolgt. Habe mir viele Präsentationen angeschaut, auf der vierten Meta-Ebene, wie mir damals schon Kritiker immer wieder mitteilten, also reichlich abgehoben. Alles war neu, spannend, eine Suchbewegung.
Ich war fasziniert, insbesondere von der Studienordnung des Faches, so fasziniert, dass ich das auch noch studieren wollte. Als Lehrer im Schuldienst, seit einem guten dutzend Jahren. Und als Leiter einer Theater-AG und Theater Unterrichtender und Mitbegründer der Weiterbildungsmaßnahme für Theaterlehrer in Hessen.
Einige meiner Theaterschüler hatten sich mittlerweile erfolgreich am Gießener Theaterinstitut beworben. Meine Kontakte dorthin wurden enger. Ich wagte die Anfrage nach einem Zweitstudium am FB Angewandte Theaterwissenschaft. Die damalige Leiterin, obwohl einen Kopf kleiner als ich, sah mich gar nicht, als ich vor ihr stand. Die Nase zu hoch. Ich hörte: “Sie können sich selbstverständlich dem Aufnahmeverfahren stellen.” … und dann neben meinen Theaterschülern sitzend die Prüfungsfragen beantworten … “Das Studium der Angewandten Theaterwissenschaften ist ein Vollzeitstudium und sie werden in dieser Zeit ihren Beruf nicht ausüben können.”
Ich hatte verstanden. Und ich hatte auch eingesehen: Das passt nicht. Ein Daddy, verheiratet, mit Zwillingen, Haus im Grünen und Katze in bürgerlichen Verhältnissen verkettet, beamteter Lehrer(!) und halb so alte junge Wilde in einer Arbeitsgruppe?
Stoff für eine Komödie.
Mir fallen die Stichwort Dekonstruktion, Subjektivität und Befindlichkeit ein. Ich habe mit einigen Theater-Studentinnen und Theater-Schülern später zusammen Projekte angeregt und begleitet. Tolle Impulse kamen von den Studentinnen der ersten Semester in Gießen damals. Theaterimpulse, die das Publikum erreichten und berührten. Chapeau!
Aber auch Anregungen eines Studenten, der offensichtlich in einer frühkindlichen Phase stecken geblieben war, zu einer Mitstudentin wie folgende: Ich lege mich hin und du stellst dich breitbeinig über mich und urinierst auf mich. Niemand hat dem verwirrten jungen Mann eine Therapie empfohlen, statt “Theater” zu spielen. Ein extremes Spektrum, das ich dort erlebte.
Ein weiteres irritierendes Beispiel einer jungen Frau mit nicht ausgereiftem frühkindlichen Exhibitionismus, die sich 20 oder mehr Slips anzog. Ihre öffentliche Performance bestand darin, ins rechte Licht gerückt diese nach und nach auszuziehen. Ich habe uns beiden die Peinlichkeit des Endes erspart. Andere blieben.
Ach ja, und ein Student plante als Examens-Performance seinen Herzrhythmus durch extrem laute Musik zu verlangsamen bis zum Stillstand. Allen Ernstes. So hoch war der Druck in Gießen, was Existenzielles und Dekonstruierendes zu machen. Da kann ich Moritz Rinkes Beschreibung, wie dogmatisch damals alles war, bestätigen. Ich hatte große Mühe dem Studenten diese Flausen auszureden. Wir sind heute gute Freunde.

In Stegmanns “Kritik des Theaters” (2013) lesen wir auf S. 95:
“Die Überbietungsstrategien eines Authentischen, das als Letztbegründung von Kunst seinen dialektischen Schein vergessen muss, sind unendlich.”

Hat die Zurschaustellung von Subjektivität und Befindlichkeit ihren theatralen Reiz verloren?
Hat die Demonstration der Atomisierung der Welt, die Dekonstruktion ihre Stimulans verloren? Wenn sie es denn jemals in relevanter Weise gehabt haben sollte.
Ist das Ende das Ende eines Experiments mit  schon vorher gewusster begrenzter Reichweite?

Begriffs-Wirrwarr

Seit langem sehe ich ein Begriffs-Wirrwarr im Darstellenden Spiel.
Es durchzieht unsere gesamte Arbeit.
Von einfachsten Anweisungen bis hin zur Beschreibung umfassender ästhetischer Kategorien.

Nichtmal die Raumbezeichnungen auf der Bühne haben sich bis zum letzten Theatermacher rumgesprochen. Die Bezeichnungen erfolgen immer aus der Perspektive des Publikums bzw. Regisseurs.

Ein Beispiel für Anweisungen:
Stellt euch in einer Reihe auf, sagt der Theaterlehrer. Rückfrage aus dem Ensemble: Wie denn? Hintereinander oder nebeneinander?

Lösung:
In einer Reihe stehen die Personen immer hintereinander. Wenn sie nebeneinander stehen nennt man das Linie.

Theaterästhetische Mittel sind keine Techniken. Hier wirds schon schwieriger, Gegenstände, Sachverhalte und Handlungen klarer zu unterscheiden. Ich merke zuweilen, pfuscht mir die Alltagssprache ins Handwerk. Dennoch. Will ich mich unmissverständlich beim Theatermachen mit anderen verständigen, benötige ich eine eindeutige Fachsprache. Sonst potenziert sich die Miss- und Unverständlichkeit bei der Betrachtung und Beschreibung komplexerer theatraler Zusammenhänge. Ist vielleicht mit ein Grund, warum Theaterkritiken manchmal so schwer oder gar nicht nachvollziehbar sind.

Ein Mittel ist ein Ding und eine Technik ist eine Anwendung, eine App ;-).

Kompliziert ist auch die Unterscheidung der verschiedenen Spielformen und Spielweisen. Da mischen sich ja auch munter mal die Gattungen und Genres. Je nach Unterscheidungskriterium gehört mal das eine in diese, mal in eine andere Kategorie, mal zu mehreren Klassen gleichzeitig.

Seit geraumer Zeit versuche ich ein bisschen mehr Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Immer mit dem Ziel unmissverständlicher – oder realistischer gesagt: weniger missverständlicher – Kommunikation.

In dem “Kursbuch Theaterprojekt”, mit dem gerade die erste Runde Lektoratsarbeit hinter mir liegt, zwei weitere liegen vor mir, versuche ich unsere Fachbegriffe zu schärfen.

Hier schonmal vorab ein kleiner Auszug aus dem “Wörterbuch des Darstellenden Spiels”:

Spielformen Die Spielformen im Theater sind äußerst vielfältig. Sie lassen sich jeweils anders gruppieren – je nach den benutzten theatral-ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten. Grundlegende Unterscheidungsmöglichkeiten ergeben sich z.B. durch die folgenden Festlegungen, wobei auch immer Mischformen und Kombinationen möglich sind und auch manchmal bestimmte Spielformen mit bestimmten Inhalten verbunden sind:
-        Darstellendes Spiel gegenüber performativer Aktion (acting or non-acting)
-       Spiel von (für das Publikum) sichtbaren Menschen/ Tieren gegenüber Spiel ohne sichtbare  Menschen/ Tiere wie im Puppen- oder Objekttheater
-        naturalistisches/ realistisches Spiel gegenüber nicht-naturalistischem/ realistischem Spiel bzw. stilisiertem Spiel
-        Sprechtheater gegenüber Musiktheater
-        verschiedene Gattungen/ Genres wie Tragödie, Komödie, Ballett usw.
Spielweisen Innerhalb der verschiedenen Spielformen gibt es die Möglichkeit, die entsprechende Form auf unterschiedliche Art und Weise auszufüllen. Z.B. können in der Spielform bzw. der Gattung  „Puppentheater“ die Puppen als 20 cm große Marionetten in einer kleinen Guckkastenbühne auftreten oder als 10 Meter große Figuren im Straßentheater. Puppen können von einem Bauchredner (kaum für das Publikum sichtbar) bewegt werden und scheinbar sprechen wie Sascha Grammels „Josi“, die Schildkröte als Geldautomat. Jeff Dunham erweckt „Achmed the dead terrorist“. Oder die Puppe ist Teilkostüm des Puppenspielers, wobei er für das Publikum sichtbar die Puppe bewegt und spricht wie bei Michael Hatzius „Die Echse“.
Und ganz großartig das “War-horse”, eine lebensgroße Pferd-Puppe, die von drei Spieler beseelt und bewegt wird.
Ästhetische Vision Eine ästhetische Vision formuliert eine Art „formlose Ahnung“ (Brook). Die Theatermacher haben eine ungefähre Vorstellung von dem, was am Ende des künstlerischen Prozesses herauskommen soll. Die ästhetische Vision beschreibt eine Art weißen Fleck auf einer Landkarte. Man kennt die Richtung und weiß, wo man zu suchen hat. Man hat Ausstattung und Werkzeuge, um dorthin zu kommen. Man hat eine Idee, wie es dort aussehen könnte. Aber erst wenn man angekommen ist, weiß man, dass es dieses Gebiet gibt und wie es beschaffen ist. Insofern ist jedes künstlerische Projekt auch immer eine Forschungsreise, die manchmal in die Irre oder in Sackgassen führt. Und manchmal ist viel Ambiguitätstoleranz (Ungewissheit aushalten) und Durchhaltevermögen nötig, um eine Durststrecke zu überwinden.
Linie Akteure stehen nebeneinander.
Reihe Akteure stehen hintereinander.
Block Akteure stehen in Linien und Reihen.
Pulk Akteure stehen dicht gedrängt zusammen mit dem Fokus in eine Richtung.

Das Wörterbuch des Darstellenden Spiels umfasst im Moment – erste Lektoratsrunde – ca. 100 Fachbegriffe mit Erläuterungen. Mein Ziel ist es, alle relevanten Begriffe, die Theaterschüler in der Mittelstufe benötigen, um über Theater weitgehend frei von Missverständnissen zu kommunizieren, in diesem Lexikon zu erfassen.

 

Ein Gespenst geht um …

… und ein Mythos ward geboren.

Kunst ist Unverständlichkeit.

Man erlebt es im Theater, man liest es im Feuilleton.
“Ich habe nichts verstanden.” sagen Theaterbesucher lächelnd.
Kritiker formulieren es zuweilen anders, meinen aber das Gleiche.
Der Regisseur eilfertig: “Genau. Das ist meine Absicht.
Der Theaterbesucher soll sich selber Gedanken machen.”

Aha.
Als ob ich zum Selberdenken einen brauche, der mir mit Unverstandenem und Unverständlichem auf die Sprünge helfen müsste.

Das schmeckt nach Beliebigkeit.
Sieht aus wie Nabelschau.
Langweilig.

Unverständlichkeit – neutheatral: Dekonstruktion – ward ja dereinst zum Dogma erhoben, so der ehemalige Student der Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen Moritz Rinke auf die Frage: “Wie steht es mit der Tradition der Kritikgespräche [während des Studiums, Anm. d. Verf.] Waren sie wirklich so gnadenlos, wie man es heute hört?”

“Einerseits ja, aber nur wenn sie dem Mainstream der Distanzierung, der sogenannten Dekonstruktion zu entkommen versuchten. Innerhalb des Systems fand ich uns gar nicht so kritisch. Es ist natürlich viel einfacher, emotional auf etwas zu reagieren, was man versteht, als auf etwas zu reagieren, dass man gar nicht versteht. Ich behaupte, wir haben von den meisten Projekten gar nichts verstanden. Aber wenn sie im System waren, war es gefährlich, inhaltliche Fragen zu stellen. Es war dann so, wie manchmal bei den Kritikern im Feuilleton. Wenn sie gar nichts verstehen, fast einschlafen, sitzen sie am Ende zu Hause und denken: Mein Gott, wahrscheinlich war es Kunst, und schreiben eine Hymne.”

Wir lernten: Wenn etwas unverständlich ist, dann ist es Kunst.

Ach ja …
… neuerdings erzählen die Studenten in Gießen – laut Rinke – wieder Geschichten auf der Bühne. “Durchaus dramatisch. Sogar schauspielerisch talentiert. Das hätte es bei uns damals nicht geben dürfen. Bei uns herrschte die Eiszeit der postdramatischen Auflösung jeglicher Figuren, kategorische Negation des Erzählens oder Dramatisierens. Und nun plötzlich das: Psychologischer Realismus in Gießen! Sogar mit politischen klaren Intentionen. … Offenbar ist das Gespenst der Dekonstruktion nach Hause gegangen.”

So viel Ehrlichkeit verdient Respekt.

Aber ist das Gespenst der Dekonstruktion wirklich schon nach Hause gegangen?

“Ich befürchte, ich habe kaum etwas vom Stück verstanden.” schreibt der kanadische Theaterkritiker J.Kelly Nestruck in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 15.09.2013 auf Seite 56 in seinem Artikel “Berliner Broadway-Wahn”, nachdem er das Stück “Glanz und Elend der Kurtisanen” vom ehemaligen Studenten der Angewandten Theaterwissenschaften in Gießen René Pollesch in der Schaubühne gesehen hatte. Nestruck war ganz froh, als er “erfuhr, dass es einigen deutschen Zuschauern auch so ging.” Aber “Wen kümmern schon Plot und Charaktere, wenn man das Theater mit einem Ohrwurm und wunderschönen Bildern im Kopf verlässt?”

Meint er das jetzt im Ernst? Oder ist das bitterer Sarkasmus?

Bernd Stegmann schreibt in seiner “Kritik des Theaters” (2013) auf Seite 71 dazu: “Die selbstreferenziellen Denkbewegungen und performativen Umdeutungen des Sinnlichen sind schleichend zu einer naiven Selbstbefriedigung entwickelt worden, …”
———————-

Die Zitate Rinkes sind entnommen der Zeitschrift “junge bühne” #7 Spielzeit 2013/14, 7. Jahrgang, herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, Bundesverband der Theater und Orchester,  S. 10 [Die Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler wurden nicht korrigiert. Anm. d. Verf.]

Schultheater vor neuem Zeitalter

Schultheater in Deutschland unterliegt demografischen Wandel.

Eine Generation tritt langsam ab, und zwar die Leute, die mit großer Leidenschaft zumeist als Autodidakten, inspiriert vom Profi-Theater, wo sie sich auch teilweise als Regisseure und Dramaturgen qualifiziert haben oder einfach nur als Lehrer, die ihr Herz für das Theaterspielen mit Kindern und Jugendlichen entdeckten und diese inspirierten, sich gemeinsam auf dieses herrliche Kulturexperiment einzulassen.

Sie spürten alle, dass hier großes Bildungspotenzial liegt. Na ja, und ein bisschen Eitelkeit und Machtlust war auch dabei, hier den Regisseur spielen zu dürfen.

Was lag nun näher, als die Frage zu stellen, warum es nur Kunst und Musik als Unterrichtsfach in deutschen Schulen gibt und nicht Theater. Und sie halfen selbst mit, eine angemessene Antwort zu finden: Sie schrieben Curricula und kreierten Theaterlehrer-Fort- und Weiterbildungen, schrieben Schulbücher und vieles mehr.

Sie treten jetzt langsam ab, die über 60-Jährigen.

Es kommt eine nächste Generation, die bis 40-Jährigen.

Sie finden vor:

 Wie soll diese Entwicklung weitergehen?

Was braucht es, damit Schultheater als Unterrichtsfach und offenes Bildungsangebot in AGs keine vorübergehende Erscheinung wird?

  • Qualifizierte grundständige Theaterlehrer-Ausbildung an Unis für alle Schulformen und Schulstufen. Es gibt nur eine Uni in Deutschland, die dieses Angebot macht.
    Das sollten mehr werden.
  • Politischer Einsatz von Schülern, Eltern und Lehrern. An einigen Schulen sehr schön, aber von wenigen Personen getragen und forciert.
    Das sollten mehr werden.
  • Austausch und Solidarität unter Theaterschaffenden zwischen Theaterpädagogen,  Theaterlehrern, Theater-Profis, Funktionären usw.
    Das sollte mehr werden.
  • Zusammenführung von Verbänden mit ähnlichen Interessen.
    Es gibt ein paar ganz tolle Leute, die mit viel Sachverstand und Einfühlungsvermögen positive Akzente setzen. Das sollten mehr werden.
  • Neue Konzepte von manchem in der dritten Generation.
    Das sollten auch mehr werden.

 Was kann ich tun?

Ich will meine Website weiter nutzen, um hilfreiche Angebote zu publizieren und Austausch anzuregen.

Ich will weiter Tipps und Hilfen für Theaterunterricht geben und Unterrichtsmaterial erarbeiten und bereitstellen.

Ich arbeite an einem langfristigen Forschungsprojekt, das untersucht, auf welche Weise Theaterunterricht mit Hilfe des Bildungskonzepts des selbstgesteuerten kompetenzorientierten Lernens die Persönlichkeitsreifung signifikant fördert.

 

 

Fortbildung im Projekt “KulturSchulen”

Vom 27.-29.05.2013 regte ich LehrerInnen von gesellschaftskundlichen Fächer im Fortbildungszentrum Reinhardswaldschule in Fuldatal an mit mir zu prüfen, inwieweit Theater und theatrale Methoden ihren Unterricht bereichern können.

Vom 30.10.-02.11.2013 werde ich das gleiche Angebot noch einmal im Fortbildungszentrum in Weilburg machen.


“Eine Kunst für jeden: KulturSchulen KulturSchulen sehen im eigenen künstlerischen Gestalten und sinnlich-ästhetischen Lernen die Basis einer zeitgemäßen Allgemeinbildung und räumen ihnen einen besonderen Stellenwert im Schul-Alltag ein (Raum und Zeit für Kunst). Jeder Jugendliche erhält die Chance, eine Kunst für sich zu entdecken, die sein Leben auch über die Schullaufbahn hinaus mit prägen kann (künstlerisches Curriculum). Vielseitige künstlerische Aktivitäten geben Schülerinnen und Schüler Vertrauen in ihre eigene Gestaltungskraft, als Zuhörende und Zuschauende von Kunst und Kultur und in der Begegnung mit Künstlern und Kulturschaffenden lernen sie zudem, ihre Welt mit anderen Augen zu sehen und einen Sinn für Qualität und Könnerschaft zu entwickeln. Auch in den geistes-, gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Fächern nutzen KulturSchulen Methoden und Erfahrungen kultureller Praxis, um Lernprozesse zu gestalten (ästhetische Zugangsweisen in allen Fächern)”.Voraussetzungen zur Teilnahme> http://kultur.bildung.hessen.de/kulturelle_praxis/kultschu/index.htmlHier geht’s zu einer Fülle von Information und Unterrichtshilfen zu den Fächern Politik und Wirtschaft: http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek/powi/index.html

 

Impro-Show 2013

Das Publikum hat meist kreative Vorschläge, womit ein Spieler bei der Disziplin “Kettengeschichte” sterben muss, wenn er gepatzt hat: Stirb an einem Regenwurm!
Eine Stunde dynamische Unterhaltung lieferte der 13er Kurs Impro-Theater am 03.05.2013 im Theaterstudio der Weidigschule ab.

 

 

 

Disziplin “Foto-Präsentation”

 

 

 

 

Disziplin “Rednerin mit fremden Armen”

 

 

 

 

Disziplin Basler Masken

Und das schreibt die Butzbacher Zeitung dazu.

 

 

Der Theaterlehrer, das unbekannte Wesen

… so lautet der Titel des Beitrags im Heft 191 von SPIEL & THEATER April 2013, S. 2-7.

Maximilian Weig und ich tauschen uns in einem Mail-Dialog über die Rolle des Theaterlehrers im Theaterunterricht aus und suchen nach einer Antwort auf die Frage, für welche Art von Öffentlichkeit Theaterkurse am Ende ihres Projektes präsentieren.

Nicht alle Fragen konnten wir klären.

So frage ich mich u.a. …

… wenn Max am Ende eines Theaterprojektes Regie führt – oder genauer gesagt: die Rolle des Regisseurs spielt – und mit seiner Regiearbeit das Stück – wie er selbst sagt – erst aufführungsreif wird, und klar ist, das die Aufführung wesentlicher Bestandteil eines Theaterprojekt ist, wie will er die Leistung der Schüler für diese wichtige Lern-Phase bewerten? Wäre das nicht das Gleiche, als ob beispielsweise der Kunstlehrer an das Bild oder die Skulptur eines Schülers letzte Hand anlegt, um es – nach seinen Vorstellungen von Kunst – zu vollenden und reif für eine Ausstellung zu machen?

… können Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen, wenn der Lehrer ihnen diese in einer entscheidenden Phase der Arbeit wieder wegnimmt und an sich reißt, weil er glaubt, dass nur er die Deutungshoheit über die Kunstform Theater habe?

… wenn er am Ende Regie führt, hat er dann das gesamte Projekt über  (bewusst?) vergessen, den Schülern einen Lernraum zu schaffen, in dem sie auch Dramaturgie und Regie erlernen können, und zwar in gleicher Weise wie er von ihnen ganz selbstverständlich verlangt als Schauspieler auf der Bühne zu stehen?

… ist nicht am Ende das aus der professionellen Theaterkunst entliehene Dogma, dass nur die “Inszenierung” die wahre Theaterkunst hervorbringe, ungeeignet, um es unkritisch in einen schulischen Kontext zu übertragen?

… taugt überhaupt das professionelle Theater als Modell für Theaterunterricht, und besteht da nicht die Gefahr, dass alle lediglich “Profi-Theater spielen” und pädagogische Implikationen dabei auf der Strecke bleiben?

Es gibt noch Gesprächsbedarf.

Den kompletten Mail-Dialog gibt’s auch hier.
Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Seiten im Heft 191 “Spiel & Theater” April 2013:

S. 2,    S. 3,    S. 4,    S. 5,    S. 6,    S. 7

Interaktive Großgruppen – neu aufgelegt

Seit den 1990er Jahren arbeite ich an Konzepten,
wie man die Interaktion in großen Gruppen lustvoll gestalten,
die Teilnehmer mit inspirierenden Impulsen in Kontakt bringen,
den Austausch nachhaltig anregen
und so die Arbeit effektivieren kann.

Es gibt viele Parallelen zu Theaterunterricht, wie ich ihn in meinen Kursbüchern anrege.



Dittrich-Brauner, K./ Dittmann, E./  List, V./ Windisch, C.: Interaktive Großgruppen.
Heidelberg 2008 (1. Auflage), Springer Medizin Verlag
2., überarb. Aufl. 2013, 290 S. 54 Abb.

 

“Erst der Mensch und dann die Kunst, …

… so verteil ich meine Gunst.” ist zu meinem Theatermotto geworden, sagt Eckard Lück im neuen FUNDUS, Zeitschrift des Landesverbandes Schultheater in Hessen e.V. Heft 1/2013 auf Seite 9.

Und weiter: Der Prozess bis dahin hat lange gedauert und war oft zweifelbehaftet. Viele Diskussionen mit QM-Teilnehmern (Lehrer in der Ausbildung zum Theaterlehrer) und viele Theaterstücke speziell der Mittelstufengruppen haben mir deutlich gemacht, dass man sich irgendwann entscheiden muss.

Meine Entscheidung für den Menschen an erster Stelle bringt mir regelmäßig Kritiken wie “nicht richtig auskomponiert, mehr Verdichtung möglich, Präzisionsmängel etc” ein. Damit muss man umgehen lernen.

Wenn eine Schülerin der AG in Klasse 10 sagt: “Letztes Jahr saß ich noch im Zuschauerraum und habe mich gefragt, wie die so souverän spielen können. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich das auch kann. Ich bin total glücklich, dass ich mich getraut habe und mitgemacht habe. Es war gar nicht unangenehm, es war im Gegenteil ein sehr schönes Gefühl mal im Mittelpunkt zu stehen”, was ist dann mehr Wert, das kunstfertige von Kritikern gelobte Stück oder der glückliche Spieler?
Ich habe mich entschieden.

Um nicht falsch verstanden zu werden; natürlich sehe ich meine Aufgabe als Spielbegleiter immer auch unter künstlerisch ästhetischen Aspekten, aber speziell in der Mittelstufe immer nur mit und nie gegen die Schüler.

Meine Erfahrung sagt mir, QM-Teilnehmer entscheidet euch – beides (Mensch und Kunst in Perfektion) gelingt nur wenigen und in ganz seltenen Momenten – und lasst spielen!!!

Soweit Eckhard Lück.

FLUX mal ´n paar erste Eindrücke

Die freie Theaterszene liefert gutes Theater. Davon habe ich mich seit den frühen 90ern immer wieder überzeugen können. Da wird kreativ aus dem Fundus der theatralen Mittel, Techniken und Methoden geschöpft und gekonnt damit theatrale Ästhetik hergestellt, die den Zuschauer sinnlich berührt. Ein wertvolles Stück Kultur und kulturelle Bildung.

“FLUX möchte Schulen und Theater, Künstler und Lehrer miteinander ins Gespräch bringen.” (FLUX-Folder der Tagung vom 18.04.2013)

Das ist sinnvoll, weil kulturelle Bildung wesentlicher Bestandteil von Bildung überhaupt ist.

Ich war zum ersten Mal bei FLUX … und da stellten sich mir doch einige Fragen.
Wenn ein Austausch zwischen Lehrern und Künstlern angestrebt wird, warum war nur ein sehr geringer Teil der Gäste Lehrer. Auf der Teilnehmerliste standen 16 Lehrer 73 Freien und anderen gegenüber; tatsächlich waren es etwa 7 versus 50.

Ich hatte das Gefühl auf einer Messe für freie Anbieter zu sein. Ich kenne das seit ca. 20 Jahren aus der Unternehmensberaterszene. Man ist meist unter sich. Kunden sind rar. Dann funktioniert das Konzept nicht. So wird das oben formulierte Ziel leider nicht erreicht.
Schade.

Gehen wir mal davon aus, dass ungefähr gleich viele von beiden Gruppen da gewesen wären, dann stellt sich mir die Frage, wo die Impulse zur Kontaktaufnahme, zum Kennenlernen, zum Austauschen und zum Auswerten waren. Außer einem geplanten Tischgespräch am Vormittag gab es nichts, und das fiel auch noch aus, weil nicht pünktlich gestartet wurde. Warum eigentlich?
Schade.

Es gibt Bücher, die ausführlich beschreiben, wie man Teilnehmer großer Gruppen spielerisch(!) in Kontakt bringt und zum Austausch animiert, mit vielen erprobten Anregungen und Beispielen, z.B. das Buch Interaktive Großruppen. Warum nutzt man diese langjährigen Erfahrungen nicht?
Schade.

Warum erlebe ich sehr häufig, dass Kunstmenschen nicht ihre Medien beherrschen? Da wird erst noch der Film auf dem Rechner gesucht, dann ruckeln die Bilder, dann ist mal der Ton nicht da … Wann greift hier die “Selbstermächtigung”? ;-)

Mal schauen, wie es nächstes Jahr läuft.
Bin gespannt.

 

Kompositionsmethoden

Die neun Kompositionsmethoden habe ich mit Schülern in kleinen Videos visualisiert. Diese Videos sind keine Lehrfilme im klassischen Sinn, sondern mit kleinem Equipment und einfachen Mitteln aufgezeichnete Versuche zu zeigen, was es mit diesen Methoden so auf sich hat und können Schüler inspirieren, sich damit spielerisch und kreativ nach dem Muster trial and error auseinander zu setzen und Erfahrungen zu sammeln.

Reihung

Die Reihung ist eine sehr einfache Kompositionsmethode,
die es schnell ermöglicht jeden Schüler im Ensemble zum Zug kommen zu lassen.

Einsatzmöglichkeiten:

  1. Zum Beginn eines Stückes werden die Figuren vorgestellt.
  2. In einer Szene treten unter ähnlichen Konstellationen reihenweise Figuren auf. Die Prinzessin empfängt eine Reihe Prinzen, die Schönheit an der Bar eine Reihe sie Begehrender, der Chef eine Reihe Bewerber usw
  3. Audioeinspielungen oder andere akustische Elemente werden in einer erkennbaren Reihe abgespielt oder vorgetragen, eben der Reihe nach.

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 144ff

 

Wiederholung

Die Wiederholung ist eine sehr einfache Kompositionsmethode,
die eine bewusste Gestaltung eines Vorganges sehr schnell deutlich macht.

Einsatzmöglichkeiten:

  1. Wiederholungen als Monotonie.
  2. In einem Altenheim wirbt ein Mann tagelang jeden Morgen erneut immer wieder auf die gleiche Weise um die gleiche  Mitbewohnerin. Er hat Alzheimer und weiß nicht mehr, was er am Tag zuvor gemacht hat.
  3. In einer Szene wiederholt sich immer wieder der gleiche Vorgang kleiner Aktionen. Es kommt zu einer rhythmischen Performance.

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 144ff

 

Steigerung

Eine Steigerung macht etwas größer, lauter oder heftiger.

Die Klimax ist das Grundmuster: Positiv, Komparativ, Superlativ.

Einsatzmöglichkeiten:
Ein Konflikt zwischen zwei Figuren steigert sich, er eskaliert.

Stufe 1: Zuerst sind die zwei Figuren unfreundlich zueinander.
Stufe 2: Sie beschimpfen sich gegenseitig.
Stufe 3: Am Ende schlagen sie aufeinander ein.

Eine Negativ-Klimax geht den umgekehrten Weg (De-Eskalation).

Einsatzmöglichkeiten:
Stufe 1: Ein Verliebter versucht mit allen Mitteln sein Angebetete zu erobern.
Stufe 2: Der Verliebte wird nicht gleich erhört und er beginnt zu zweifeln.
Stufe 3: Der Verliebte resigniert und stellt sein Bemühen frustriert ein.

Film Steigerung Teil 1
Film Steigerung Teil 2

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 150ff

 

Verdichtung

Eine Verdichtung erhöht die Intensität eines Geschehens.

Beispiel:
Der Druck auf eine Figur, eine unausweichliche Entscheidung zu treffen, erhöht sich kontinuierlich.

Film Verdichtung Teil 1 
Film Verdichtung Teil 2 

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 148ff

 

Kontrastierung

 

 

 

 

 

 

Die Kontrastierung zeigt etwas Gegensätzliches.

Beispiel: Ein gutgläubiger, ehrlicher Mensch und ein Verbrecher treffen aufeinander.

Film Kontrastierung

Weitere Ausführungen im Kursbuch Darstellendes Spiel, S. 148ff

 

Zeitschrift SCHULTHEATER korrigiert Artikel mit brandgefährlichen Tipps

An exponierter Stelle (Umschlagseite 2) hat sich die Zeitschrift SCHULTHEATER im aktuellen Heft 12 für die “heißen” Tipps entschuldigt, die sie im Heft Nr 11 im Artikel “Theaterbeleuchtung mit kleinen Mitteln” von Neil Greig gegeben hatte.

In meinem Blogbeitrag vom 28.12.2012 hatte ich ausführlich über die lebensgefährlichen Basteltipps Neil Greigs zur Manipulation von Lampen und Leuchten berichtet.

Schön, dass die Zeitschrift SCHULTHEATER meine Kritik aufgenommen hat.

Es gilt:

  • Keine Basteleien an Lampen und Leuchten.
  • Nur Einsatz von geprüften Leuchten aus dem Fachhandel.
  • Nur Beratung durch wirklich fachkundiges Personal.